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Titelbild: You’ve come a long way, baby.
10.11.2017 - Michael Meinert

You’ve come a long way, baby.

Der heimliche Star der Apple Keynote – die Apple Watch Series 3.

Die jüngste Produktvorstellung von Apple fand am 12.09.2017 im Steve-Jobs-Theater des Apple Parks in Cupertino statt. Überraschungsmomente gab es, wie bei Apple mittlerweile üblich, leider kaum. Zu groß ist das Interesse von Öffentlichkeit, Zeitungen, Blogs und News-Seiten im Vorfeld. Jeder möchte wissen, wie das neue iPhone aussieht, wie es heißt und in welchen Farben es erhältlich sein wird. Die Medienmaschine will gefüttert werden und daher vergeht im Vorfeld kein Tag ohne neu veröffentlichte Gerüchte, Kommentare oder Meinungen von Insidern, Fertigungsmitarbeitern oder Marktforschern. Natürlich ist dies positiv für Apple zu werten, denn nach wie vor kann sich niemand über so viel kostenloses Marketing rund um eine Produktveröffentlichung freuen wie der Tech-Gigant aus Cupertino. Dennoch dürfte diese Strategie auch für die eine oder andere negative Begleiterscheinung rund um solche Shows verantwortlich sein. Da auf der Apple Keynote lediglich die Gerüchte bestätigt werden, fällt das erste Feedback des Markts eher verhalten aus. Die schönsten Geschenke sind eben nach wie vor die, mit denen man nicht gerechnet hat.

 

Apple Watch Series 3

Der Star des Abends

Der Star des Abends waren natürlich die drei neuen iPhones in den Versionen iPhone 8, iPhone 8 Plus und iPhone X (wird übrigens „iPhone Zehn“ ausgesprochen). Doch es gab auch noch zwei weitere Produktgruppen, die an diesem Abend (beziehungsweise dem kalifornischen Vormittag) vorgestellt wurden und die leider ein wenig die Rolle des Oscars für den besten Nebendarsteller übernehmen mussten: das neue Apple TV 4K und die Apple Watch Series 3 und ihre Derivate. In diesem Artikel soll es jedoch um die neue Apple Watch gehen. Und mit der hat Apple wirklich (fast) alles richtig gemacht!

Etwas mehr als drei Jahre ist es nun her, dass Tim Cook die magischen Worte ausgesprochen hat, die jedem Apple Fanboy das Herz höherschlagen lassen: „one more thing“. Das Auditorium an jenem 9. September 2014 applaudierte frenetisch voller Vorfreude, als die Apple Watch nach allen Gerüchten endlich offiziell angekündigt wurde. Perfekt durchgestylte Hochglanzvideos, die von der sonoren Stimme des Apple Stardesigners Jony Ive begleitet wurden, machten die potenziellen Kunden heiß auf die erste Uhr von Apple – eine Kombination aus edlen Materialien, die sich optisch den jeweiligen Vorlieben der Trägerin oder des Trägers anpassen ließ. Damals ließ sich allerdings auch erkennen, dass Apple noch nicht genau wusste, wie man die Apple Watch am besten platzieren konnte. Das zeigte sich einerseits in kuriosen Momenten während der Livedemo von Kevin Lynch (VP Technology, Apple), als er über Scribbles (kleine Malereien, welche Träger einer Apple Watch untereinander austauschen können) oder das Senden des Herzschlags zwischen den Nutzern der Apple Watch philosophierte. Zwingende Kaufgründe sehen leider anders aus. Auch die ursprüngliche Platzierung im Modemarkt kann man aus heutiger Sicht hinterfragen. Eine Apple Watch Edition aus Echtgold, die mit bis zu 18.000 Euro über den Ladentisch gegangen ist, gibt es zumindest heute nicht mehr.

 

 

Zum Glück für Apple und vor allem für uns Anwender kann man heute voller Überzeugung sagen, dass die Apple Watch ihren Markt gefunden hat – und was für einen! Das Design von Hardware und Software (watchOS) wurde in den letzten Jahren konsequent auf den Zielmarkt „Sport & Gesundheit“ ausgerichtet, was die absolut richtige Entscheidung war. Hier kann die Apple Watch ihre Stärken voll ausspielen und spricht damit vor allem eine Zielgruppe an, die dank Digitalisierung und New Work seit Jahren wie Pilze aus dem Boden schießt: Menschen, die zu viel vor Bildschirmen sitzen und sich zu wenig bewegen. Fühlen Sie sich angesprochen? Keine Sorge, Sie sind nicht allein!

Mit der Apple Watch erhalten Sie einen Sport-Coach für Ihr Handgelenk, der Ihnen hilft, Ihr Verhalten zu ändern, damit Sie zu einer besseren und gesünderen Lebensweise finden. So können Sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Trainings starten, die von der Apple Watch aktiv durch das Messen der wichtigsten Vitalwerte begleitet werden. Wer sich fleißig bewegt, füllt die täglichen Aktivitätsringe und wird durch eine Vielzahl von digitalen Awards belohnt oder punktet im direkten Vergleich mit anderen Trägerinnen/Trägern der Apple Watch. Mit der Vorstellung der wasserdichten Apple Watch Series 2 wurden auch Schwimmbecken, Badeseen oder das Salzwasser im Meer zum neuen Trainingsbereich. So weit, so bekannt. Die neueste Generation der Apple Watch ist nun im Handel und sie schenkt uns: Freiheit.

Freedom

Die Modellreihen Apple Watch Series 3 und Apple Watch Nike+ gibt es ab sofort in zwei Varianten: einmal ausschließlich mit dem bereits bekannten GPS-Modul und jetzt zusätzlich in einer Cellular-Variante (LTE). Beide Ausprägungen unterstreichen, dass Apple die Watch immer unabhängiger vom iPhone machen möchte und damit auch den Nerv der sportlichen Zielgruppe trifft. Bereits seit einem Jahr verfügt die Apple Watch über ein GPS-Modul und kann damit bei Wanderungen, Spaziergängen und Lauf- oder Radtrainings auch ohne das iPhone die Distanz, Geschwindigkeit und Route des Trainings messen. Mal eben die morgendliche Laufstrecke vermessen und später mit Apple Maps darstellen? Kein Problem. Nach einer Radtour in den Bergen prüfen, bei welcher Ansteigung man das selbst gesetzte Pulsziel überschritten hat? Ebenfalls problemlos möglich. Beides klappt, ohne dass man das iPhone in der Hosentasche haben muss – einen vollen Akku vorausgesetzt. Doch die Sache hatte bisher einen Haken: Man ist nicht erreichbar.

 

Apple-Watch-Series-3-Sportler-3er-Collage

 

Vermutlich denkt sich jetzt manch ambitionierte Sportlerin oder ambitionierte Sportler: „Das ist doch eher ein Vorteil! Ich möchte bei meinem Work-out oder meiner morgendlichen Meditation gar nicht abgelenkt werden.“ Das mag in den meisten Fällen zweifellos stimmen. Dennoch kann eine Apple Watch Cellular das private oder berufliche Leben durchaus verbessern. Ein Lauftraining ohne iPhone funktioniert nun mal leichter – nicht nur, weil man sich knapp 200 Gramm Gewicht spart, sondern vor allem, weil die Tasche der Laufhose leer bleibt. Auch bei allen Aktivitäten im oder am Wasser verbietet sich das iPhone von selbst, denn es ist zwar spritzwassergeschützt, kann aber (noch) nicht schwimmen. Auch im Fitnessstudio ist man nun erreichbar, ohne das iPhone überall mitschleppen zu müssen. Und schließlich soll es Gerüchten zufolge Menschen geben, die ihr Firmentelefon am Platz liegen lassen, wenn sie zur Kaffeemaschine oder in die Mittagspause gehen. In all diesen Fällen war man bisher ohne iPhone nicht erreichbar – und genau das ändert sich nun dank der neuen Apple Watch.

Einen entsprechenden Tarif der Telekom und eine Cellular-Variante der Apple Watch vorausgesetzt, ist man nun überall auch ohne iPhone erreichbar. Das gilt sowohl für Nachrichten über iMessage als auch für SMS/MMS und Push-Nachrichten (wie beispielsweise WhatsApp), welche nun direkt über die Watch zugestellt werden. Auch der Zugriff auf Siri funktioniert mit LTE perfekt. Sie haben eine Idee, die notiert werden will, oder einen Termin, der schnell in den Kalender soll? Ein längerer Knopfdruck auf die digitale Krone startet Siri, welche dank der deutlich höheren Rechenleistung der neuen Watch nun sogar mit Sprachausgabe aufwarten kann. Das Highlight ist aber ein Telefonat über das erstaunlich gute Mikrofon und den eingebauten Lautsprecher. Hier gilt allerdings die Devise „fasse dich kurz“, denn ein zehnminütiges Telefonat leert den Akku um ca. 9 Prozent. Bevor nun wieder die unberechtigte Kritik an der angeblich zu kurzen Akkulaufzeit aufkommt (ich muss meine Apple Watch trotz intensiver Nutzung erst nach 1,5 Tagen wieder aufladen), sollten wir ein Missverständnis aus dem Weg räumen: Die neue Generation der Apple Watch ist gar nicht dafür gedacht, um stundenlang zu telefonieren – es geht darum, erreichbar zu sein. Wer Dauergespräche mit der besten Freundin führen möchte, dürfte dies in der Regel auf einem iPhone tun. Aber dass man nun mit einer kleinen, leichten Apple Watch überall und zu jeder Zeit beim Sport erreichbar ist beziehungsweise Sport-Apps über LTE einen kontinuierlichen Datenfluss ermöglichen, das ist ein gigantischer Sprung nach vorn.

 

Something in the air

Was hängt untrennbar mit Sport zusammen? Anstrengung? Überwindung? Endorphine? Alles richtig. Doch für die meisten von uns würde Sport ohne Musik nicht funktionieren. Sie treibt uns an, hält uns im Flow oder zentriert unsere Gedanken. Auch bisher war es möglich, Musik oder Podcasts lokal auf der Apple Watch zu speichern. Mit schicken kabellosen Kopfhörern wie den Apple AirPods oder BeatsX wird einfach und zuverlässig eine Bluetooth-Verbindung aufgebaut und schon kann das Training beginnen. Dennoch musste die Musik immer lokal abgespeichert werden – bis jetzt. Im November hat Apple die Version 4.1 von watchOS veröffentlicht, welche nun auch Apple Music Streaming liefert. Dann ist es möglich, Musik direkt und ohne Anbindung an ein iPhone oder ein Wi-Fi-Netzwerk zu streamen. Dies beinhaltet die iCloud-Musikbibliothek, Apple Music und auch die Verbindung zu Radiosendern wie der hauseigenen Station Beats1 von Apple. Die Musik lässt sich dabei bequem über die Watch starten, egal, ob per manueller Eingabe oder Assistentin Siri. Steve Jobs stellte 2001 den ersten iPod mit den Worten „1000 Songs in Your Pocket“ vor. In Anlehnung daran lautet der Claim für die neue Apple Watch Cellular: „Streame 40 Millionen Songs direkt vom Handgelenk“.

Apple-Watch-Series-3-Personen-in-verschiedenen-Situationen-3er-Collage

Modellpflege

Mit der neuen Kollektion bietet Apple ein umfangreiches und durchdachtes Sortiment an Smartwatches an. Die Apple Watch Series 1 stellt dabei den mit einem UVP ab 269 € kostengünstigen Einstieg dar. Das Nutzungserlebnis ist dank identischem Betriebssystem komplett mit den neuen Watches vergleichbar. Unterschiede gibt es aber in der Leistungsfähigkeit und fehlenden Funktionen wie GPS oder Cellular. Diese bietet die Apple Watch Series 3 mit einem UVP ab 369 € (GPS) beziehungsweise 449 € (GPS + Cellular). Wer es noch eine Spur sportlicher mag, wird bei der Apple Watch Nike+ fündig. Auch diese ist in den Varianten GPS mit einem UVP ab 369 € und GPS + Cellular ab einem UVP von 449 € erhältlich. Läufer profitieren dann von der Nike+ Run Club App, dem Coach fürs Handgelenk, den integrierten Motivationen oder dem Nike Sport Loop, einem echt coolen Armband. Eine kurze Übersicht über die wichtigsten Unterschiede finden Sie in der folgenden Tabelle:

 

 

Fazit

Seit April 2015 bin ich Besitzer einer Apple Watch Series 0. Das ist zugegebenermaßen keine offizielle Produktbezeichnung von Apple, aber da die Apple Watch Series 1 erst im Juni 2016 veröffentlicht wurde, fällt mir kein besserer Begriff ein. Dass mir die Apple Watch ans Herz gewachsen ist, habe ich bereits in mehreren Artikeln beschrieben und daran hat sich bis heute nichts geändert. Eine leichte Vibration am Handgelenk informiert mich über eine neue WhatsApp, in fremden Städten laufe ich nicht wie ein Smombie mit dem Smartphone vor der Nase herum und die Aktivitäten-App zeichnet zuverlässig meine Trainings auf. Mit watchOS 4 sind nun weitere für mich spannende Themen hinzugekommen. Die Apple Watch pusht mich mit neuen Herausforderungen und Awards. Oder gibt mir abends noch mal einen kleinen Motivationsschub, indem sie mir vorrechnet, dass 15 Minuten schnelles Gehen heute ausreichen, um meinen Aktivitätsring zu füllen. Das spricht mich als Spielernatur an und motiviert mich abermals zu einer kleinen Extraleistung. Nicht mehr ganz so motivierend fand ich die Rechenleistung der Series 0. Daher bin ich vor wenigen Tagen auf das neue Modell umgestiegen und seitdem wirklich begeistert. Die Geschwindigkeit der Apple Watch Series 3 ist phänomenal, was sich vor allem an den deutlich verkürzten Ladezeiten beim Start der Apps zeigt. Auch das neue Display ist wirklich sehenswert und macht richtig Spaß. Dass ich jetzt mein Training auch mal ins Hallenbad verlagern kann, bietet mir eine schöne Abwechslung. Wenn es die EarPods von Beats jetzt auch noch in einer wasserdichten Version geben würde … Na, wer weiß, was noch alles kommt. Ich bin jedenfalls schon heute schwer begeistert von der Apple Watch und sehr gespannt darauf, wie sich das Produkt weiterentwickeln wird. Ich betrachte sie nach wie vor als beste Sportuhr und perfekten Coach fürs Handgelenk.

Michael Meinert
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Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

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