Titelbild: System Upgrade.
07.11.2018 - Michael Meinert

System Upgrade.

Die neuen Betriebssysteme.

Am 12. September 2018 hat Apple in Cupertino der Weltöffentlichkeit neue Produkte vorgestellt. Neben den neuen iPhones wurden die dritte Generation des iPad Pro sowie die Apple Watch Series 4 veröffentlicht. Das Interesse in den Medien und den Blogs war gewohnt hoch und ebenso die Vorfreude vieler Nutzer darauf, diese Produkte bald privat oder beruflich nutzen zu können. Angetrieben werden die neuen Produkte durch die Betriebssysteme macOS, iOS und watchOS. Bereits einige Monate zuvor, im Juni dieses Jahres, hatte Apple auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC einen detaillierten Einblick in die neueste Generation dieser Systeme gegeben. macOS Mojave für alle Mac-Produkte, iOS 12 für iPhone und iPad sowie watchOS 5 für die Apple Watch. Apple bleibt dabei der eigenen Tradition treu, denn spätestens seit 2013 ist jedes Update des Betriebssystems für alle Nutzer kostenlos – zuvor vmussten die Mac-Nutzer das Update von OS X noch käuflich erwerben.

Bevor wir auf die Neuerungen eingehen, möchte ich zwei Vorteile dieser Updatestrategie für uns Nutzer herausheben: die Langlebigkeit der Produkte einerseits und die Sicherheit auf der anderen Seite. Beginnen wir mit der Sicherheit: Apple entwickelt Hardware und Software unter einem Dach, beide sind daher aufeinander abgestimmt. Dabei wird klar definiert, mit welchen Geräten das aktuelle Betriebssystem kompatibel ist. Als Nutzer erfahre ich damit, ob ich die aktuelle Software erhalten kann. In diesem Fall kann ich das Update sofort installieren, sobald Apple es veröffentlicht. Es gibt keine unterschiedlichen Versionen von iOS für unterschiedliche iPhones, sondern es gibt genau ein Betriebssystem. Die Folge ist, dass ich schnell und einfach die neueste Software aufspielen und nutzen kann. In Zeiten von Viren, Trojanern und Phishingattacken bietet das besonders bei Sicherheitsupdates einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Als Beispiel: Am 05.09.2018 hat Apple bekannt gegeben, dass 85 % aller Nutzer von iOS-Geräten die zum damaligen Zeitpunkt aktuelle Version iOS 11 verwenden. Zum Vergleich ein Blick ins Lager von Android. Laut Statista hatte die damals aktuelle Version Oreo am 31.08.2018 einen Anteil von 14,6 %, während 19,2 % noch die Android Version Lollipop (5.1) verwendet haben. Diese Version stammt aus November 2014. Sicherheitstechnisch ist das so, als würde man seine EC-Karte samt Post-it-Zettel mit der PIN offen am Stadtplatz herumliegen lassen und hoffen, dass nichts passiert.

Kommen wir zum zweiten Aspekt, der Langlebigkeit von Apple Produkten: In der Regel unterstützt Apple alle Produkte der letzten vier bis fünf Jahre mit dem aktuellen Betriebssystem. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass mein iPad der 6. Generation (veröffentlicht im März 2018) noch bis 2022 mit aktueller Software von Apple versorgt wird. Eventuell (oder sogar sehr wahrscheinlich) werde ich mich bis dahin entscheiden, ein neues iPad zu erwerben. Aber dann kann ich das bisher genutzte Produkt zu einem attraktiven Restwert weiterverkaufen oder innerhalb meiner Familie verschenken.

Ein Analyst hat kürzlich seine Berechnung aus Finanzdaten von Apple veröffentlicht, laut der die durchschnittliche Nutzungsdauer von Apple Produkten bei vier Jahren und drei Monaten liegt. Man darf daher annehmen, dass neben einer hohen Kundenzufriedenheit auch die langfristige Versorgung mit aktueller Software für diese Nutzungsdauer spricht. Doch werfen wir nun einen Blick auf einige Features, die Apple mit den neuen nBetriebssystemen angekündigt hat. Das Augenmerk liegt dabei auf den Funktionen, welche die Produktivität des Nutzers erhöhen, ein kleines Augenzwinkern an der einen oder anderen Stelle inklusive.

 

 

macOS Mojave.

Dunkel, aufgeräumt, effizient und sicher.

Was ist die Herausforderung?

Gerade in dunkleren Arbeitsumgebungen kann das helle Display des Mac teilweise blenden. Bei einigen Nutzern sorgt dies für spürbare Konzentrationsschwierigkeiten oder tränende Augen.

Wie sieht die Lösung aus?

Mit dem neuen Dark Mode bietet Apple die Möglichkeit, das Betriebssystem für die Arbeit in dunklen Umgebungen anzupassen. Hierbei werden alle hellen Flächen in ein dunkles Grau getaucht, während dunkle Schrift in weißer Farbe dargestellt wird. Dieser Effekt betrifft nicht nur macOS selbst, sondern auch die im Mac integrierten Apps von Apple sowie die Anwendungen anderer Anbieter, sofern diese Mojave angepasst sind.

Wer profitiert davon?

Alle, denn Apple bietet die Möglichkeit, den Dark Mode manuell an- und abschalten zu können.

 

 

 

Was ist die Herausforderung?

Ein freier Desktop sorgt für den Fokus auf die richtigen Themen – sagt man. Viele Nutzer erkennen allerdings unter den Icons der abgelegten Dateien teilweise das Wallpaper nicht mehr.

Wie sieht die Lösung aus?

Apple nennt diese Lösung „Stapel“ und genau das macht die Funktion auch: Sie gruppiert zusammengehörende Dateien, zum Beispiel Bilder, PDFs oder Dokumente, zu Stapeln. Dies sind kleine Unterverzeichnisse, ähnlich wie die Ordner bei iOS. Dabei geht natürlich keine Datei verloren. Man kann diese Funktion in macOS auch anpassen und damit die Gruppierung der Stapel ändern, beispielsweise nach Datum. Damit wird der Desktop wieder übersichtlicher, wenn auch vermutlich nur temporär.

Wer profitiert davon?

Alle, die endlich mal wieder den Desktop aufräumen müssten, aber partout keine Zeit dafür finden.

 

Was ist die Herausforderung?

Dateien sind mit Anwendungen verknüpft. Selbst wenn man nur Kleinigkeiten in einem Bild ändern oder in einem PDF unterstreichen möchte, muss man die dazugehörige Anwendung öffnen und die Funktion ausführen. Das kann teilweise zu lange dauern.

Wie sieht die Lösung aus?

Einfache Tätigkeiten wie das Zuschneiden, Drehen oder Kommentieren von PDFs und Bildern können nun direkt in macOS durchgeführt werden. Einfach bei markierter Datei die Leertaste drücken und los geht’s. Zudem können nun Bildschirmfotos schneller und variabler erstellt und direkt weiterverarbeitet werden. Als drittes Feature im Bunde besteht neu die Möglichkeit, dass auf dem iPhone aufgenommene Fotos nun direkt in die geöffnete Anwendung auf dem Mac wandern. Praktisch.

Wer profitiert davon?

Alle, die nur mal schnell eben einen kleinen Arbeitsschritt durchführen wollen, und das 20-mal am Tag. Von der gesparten Zeit könnte man dann eigentlich endlich mal wieder den Desktop aufräumen.

 

Was ist die Herausforderung?

Um halbwegs sicher im Internet surfen zu können, muss man heute ungefähr fünf Bücher über Datensicherheit lesen sowie drei Teenager als Admins für diverse Apps und Add-ons beschäftigen.

Wie sieht die Lösung aus?

Mit macOS Mojave (und auch iOS 12) wird das Sandboxing nochmals verschärft. Keine App kann ohne Zustimmung des Nutzers auf die Kamera oder das Mikrofon zugreifen. Mark Zuckerberg weiß, warum. Zudem bietet Apples Browser Safari einen neuen Trackingschutz, der vor allem dann greift, wenn auf einer Website Widgets zum Liken, Teilen oder Kommentieren bei Facebook & Co. vorhanden sind. Auch die Passwörter können nun automatisch und sicher erstellt und genutzt werden. Vorbei die Zeit von „Password1“.

Wer profitiert davon?

Alle, die wissen, dass IT-Sicherheit total wichtig ist, aber nie Zeit dafür finden … bis die Kinderfotos der letzten drei Jahre unwiederbringlich verloren sind oder sich in den Händen von Script-Kiddies befinden, die dafür Bitcoins im Wert von 150 € fordern.

 

 

iOS 12.

Schneller, fokussierter, automatisierter.

Was ist die Herausforderung?

In den letzten Monaten gab es mal wieder ein „Gate“ bei Apple, dieses Mal in Bezug auf die CPU-Leistung bei schwächer werdendem Akku. Da wir nach vorn sehen wollen, sparen wir uns hier die Episode. Nur so viel: Es wäre gut, wenn das neue iOS mehr ältere Geräte unterstützen und sie schneller machen würde.

Wie sieht die Lösung aus?

iOS unterstützt nun mehr ältere Geräte und macht sie schneller. Die Kamera öffnet sich bis zu 70 % zügiger, die Tastatur wird bis zu 50 % flotter angezeigt und Apps starten unter höherer Auslastung bis zu doppelt so schnell – das alles hat Apple auf einem iPhone 6S unter bestimmten Bedingungen getestet. iOS 12 wurde damit auch für ältere Geräte entwickelt und unterstützt die Modelle bis zum iPhone 5S, iPad Air sowie iPad mini 2. Diese Modelle stammen aus 2013 und können durch iOS 12 nun ihre letzte Blütezeit genießen.

Wer profitiert davon?

Vor allem die Nutzer älterer Modelle freuen sich über spürbar mehr Leistung.

 

Was ist die Herausforderung?

Nur mal kurz schauen, was es auf Facebook Neues gibt, drei Insta-Storys anschauen, 9GAG durchscrollen und … schon wieder kurz vor Mitternacht? Wo ist nur die Zeit geblieben?

Wie sieht die Lösung aus?

Das neue Feature „Bildschirmzeit“ ist ein Schloss, welches wir selbst vor unsere Endorphinbelohnung beim Nutzen des iPhones hängen können. So kann man individuell bestimmen, wie viel Zeit man pro Tag maximal den einzelnen Apps widmen möchte. Außerdem wird angezeigt, wie lange man das iPhone oder iPad bereits genutzt hat. Auch das dürfte teilweise zu erstaunlichen Erkenntnissen führen.

Wer profitiert davon?

Alle, die sich gerne von iPhone oder iPad so sehr ablenken lassen, dass sie nicht mal ihre Sätze …

 

Was ist die Herausforderung?

Wir kennen sie alle – die Kollegen aus der Generation Z, die mit zwei Daumen auf die virtuelle Tastatur des iPhones hämmern und dabei jeden Satz einzeln verschicken. Superschnell … und supernervig, wenn die Mitteilungen im Sperrbildschirm mal wieder überquellen, weil jemand nur eine einfache Frage beantwortet hat.

Wie sieht die Lösung aus?

Mit iOS 12 werden einzelne Mitteilungen des gleichen Absenders automatisch gruppiert und als eine Mitteilung dargestellt. Zudem wird angezeigt, wie viele weitere Mitteilungen nach Entsperrung des iPhones oder iPads noch auf einen warten. Das klappt übrigens auch bei Terminen, zum Beispiel wenn die Assistentin des Chefs mal wieder die 1to1s für ein komplettes Quartal innerhalb weniger Minuten verschickt.

Wer profitiert davon?

Alle, die einen möglichst freien Sperrbildschirm und Ordnung zu schätzen wissen.

 

Was ist die Herausforderung?

Schon seit Jahren gibt es in iOS die Funktion „nicht stören“, welche dafür sorgt, dass man eben nicht gestört wird. So werden keine Anrufe, Mitteilungen oder Messages durchgestellt. Leider muss man diese Funktion wieder aktiv abschalten, wenn man erreichbar sein will.

Wie sieht die Lösung aus?

Das neue erweiterte „nicht stören“ lässt sich jetzt auch nur für eine begrenzte Zeit oder einen definierten Ort nutzen. Sobald man das Büro verlässt oder das Meeting beendet ist, ist man automatisch wieder erreichbar.

Wer profitiert davon?

Alle, die sich temporär auf bestimmte Themen fokussieren wollen.

 

Was ist die Herausforderung?

iOS kann wahnsinnig viel und entwickelt sich mit iOS 12 nochmals weiter. Bis dato gab es aber noch keine Möglichkeit, bestimmte Abläufe zu automatisieren. Hierfür musste man beispielsweise die externe App „Workflow“ nutzen.

Wie sieht die Lösung aus?

Apple hat „Workflow“ (bzw. das Team dahinter) 2017 gekauft und dessen nützliche Funktionen nun direkt in iOS 12 integriert. Zudem soll Siri nun bestimmte Muster erkennen und sich als nützlicher Helfer andienen. Letzteres muss sich allerdings erst noch beweisen, da Siri hierzulande außerhalb der Wettervorhersage noch mit KI-Problemen zu kämpfen hat.

Wer profitiert davon?

Alle, die sich auf das iPhone als digitalen Assistenten freuen (kurz- oder mittelfristig).

 

watchOS 5.

Sportlicher, sprachgewandter und schlauer.

Die Apple Watch ist in erster Linie ein sehr guter Coach und Fitnesstrainer – im beruflichen Leben sind die Einsatzmöglichkeiten aber naturgemäß limitiert. Die Neuerungen möchten wir Ihnen dennoch nicht vorenthalten:

Die neuen Aktivitätenwettbewerbe machen es möglich, Freunde über den Zeitraum einer Woche zu einem sportlichen Wettkampf herauszufordern. Über das prozentuale Erreichen der eigenen Ziele erhält man Punkte – und wer die meisten Punkte hat, gewinnt eine neue Medaille.

Sportlich geht es auch bei der automatischen Trainingserkennung weiter. Wer sich schon einmal geärgert hat, dass das Training auf der Watch nicht gestartet oder beendet wurde, erhält nun automatisch Unterstützung – die Apple Watch erkennt diese Themen selbstständig und rechnet sogar die Leistung an, die man bereits erbracht hat. Zudem gibt es mit Yoga und Wandern zwei neue Workouts.

Läufer freuen sich ebenfalls über neue Funktionen. Ein Tap am Handgelenk weist mich darauf hin, wenn ich meine eingestellte Zielgeschwindigkeit nicht erreiche. Neben der durchschnittlichen Zeit pro Kilometer wird nun auch die Zeit für den letzten gelaufenen Kilometer angezeigt (bin ich gerade schneller oder langsamer als mein Schnitt?) und die Kadenz verrät mir meine Schritte pro Minute beim Lauftraining.

Ein lang gefordertes Feature gibt es bei den Podcasts, denn diese lassen sich inzwischen endlich auch auf die Apple Watch synchronisieren und ohne iPhone abspielen. Für alle, die beim Workout nicht nur Musik hören wollen, ist das eine super Ergänzung. Neu ist auch das Feature Walkie-Talkie, das wie ein altes CB-Funkgerät funktioniert: Zwei Nutzer einer Apple Watch können über dieses kurze Sprachnachrichten aufnehmen und sich gegenseitig schicken, ohne das iPhone aus der Tasche nehmen zu müssen. Das kann in manchen Situationen sinnvoller sein, als eine WhatsApp mit „Wo seid ihr?“ zu schreiben, auf die meist eine fünfminütige Wartezeit folgt, in der man auf den Text „Axel schreibt …“ starrt.

Zudem wurden auch auf der Apple Watch die Mitteilungen verbessert, die Funktion „nicht stören“ wurde erweitert und Siri als proaktivere Assistentin genutzt (siehe iOS 12).

 

Michael Meinert
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Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

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