Titelbild: Schöner hören.
07.11.2018 - Stefan Schwarz

Schöner hören.

HomePod – Er macht einfach Spaß.

Der Markt für Smart Speaker geht durch die Decke und Amazon und Google dominieren ihn. Laut Canalys ist der Markt im 2. Quartal 2018 im Jahresvergleich um 187 % gewachsen und ein Ende dieses Wachstumstrends ist in dem relativ jungen Markt noch nicht in Sicht.

Die Anbieter legten bisher ihren Fokus eher auf den Bereich „smart“ (Produkte kaufen, nach dem Wetter fragen, Smart Home steuern) und weniger auf den Speaker (Musik hören). Aus diesem Grund bieten Alexa und Co. zwar jede Menge Funktionen und Schnittstellen, doch die Geräte waren in der Vergangenheit weder besonders schick noch überzeugten sie nennenswert beim Thema Sound.

Diese Nische hat Apple für sich erkannt und mit dem HomePod ein Gerät präsentiert, das neben smarten Features zusätzlich einen hervorragenden Klang bietet und auch in puncto Design – wer hätte bei Apple etwas anderes erwartet – keine Wünsche offenlässt. Der HomePod ist mittlerweile über ein halbes Jahr in Deutschland verfügbar. Zeit für einen Erfahrungsbericht.

 

 

Klang

Der Spike Jonze Werbeclip von Apple zeigt, worum es Apple geht. Der Benutzer möchte Musik erleben, ja sogar fühlen. Die eigene Lieblingsmusik kann die Stimmung positiv beeinflussen und gute Musik hört sich auf guter Hardware einfach besser an. Dafür braucht es etwas mehr als ein Küchenradio oder Echo.

 

 

Wie der HomePod klingt, lässt sich schwer in Worte fassen. Wie soll man Emotionen so beschreiben, dass andere, die das Gerät noch nicht selbst gehört haben, ein Gefühl dafür bekommen? Es gibt zahlreiche gute Reviews von Apple Insider oder 9to5Mac, in denen der HomePod demonstriert und überaus detailliert beschrieben wird. Alles wirklich sehr gut gemacht, aber doch eher faktenbasiert. Hier empfehle ich das YouTube Video von Erfon Elijah bzw. dessen Nachfolgeclip zum Sound von zwei HomePods im Stereomodus. Er hat geschafft, was viele der professionellen Reviews nicht einfangen konnten. Er lässt den Betrachter des Videos an seinen Emotionen teilhaben und zeigt damit, wie gut die Qualität des HomePod ist. Eine Reaktion bzw. ein Gesichtsausdruck sagt oft mehr aus als 20 nüchterne Fakten.

 

 

Auch ich war vom Sound des HomePod begeistert, als ich ihn zum ersten Mal selbst hörte, und das, obwohl ich mich im Vorfeld ausführlich informiert hatte. Bei Musik mit vielen Bässen (Pop, Hip-Hop, Dance etc.) spielt er seine volle Stärke aus. Man kann kaum glauben, wie viel Sound aus so einem kleinen Gerät kommt. Rock oder Alternative ist klanglich immer noch sehr gut, setzt sich hier aber aus meiner Erfahrung nicht ganz so deutlich von seinen Mitbewerbern ab. Ich bin nach wie vor begeistert vom Sound des HomePod und hoch motiviert, einen zweiten anzuschaffen, um beide im Stereomodus laufen zu lassen. In puncto Sound hat Apple alles richtig gemacht.

Siri

Jeder kennt das Gefühl, wenn man an einen Film so gut wie keine Erwartungshaltung hat und dann positiv überrascht das Kino nach dem Film verlässt. So ähnlich erging es mir mit Siri auf dem HomePod. Weil Apple im Bereich Siri in den letzten Jahren nicht gerade ein Feuerwerk von Innovationen präsentiert hatte und auch ich selbst bisher für Siri nicht großartig Verwendung fand, war meine Erwartungshaltung niedrig.

Langzeitfazit für mich ist: Siri im HomePod funktioniert gut – nicht fehlerfrei und noch mit reichlich Potenzial nach oben, aber dennoch gut. Nach einer kurzen Testphase ist man schnell in der Lage, Musik aus Apple Music abzurufen, und das bei jeder Lautstärke und von überall im Raum. Meine Kinder waren von der ersten Sekunde an Fans des HomePod bzw. von Siri. Songs, Alben oder Playlists abspielen klappt in der ganzen Familie mittlerweile fehlerfrei und kurze Recherchen im Internet sind für jeden intuitiv möglich. Diverse Tests machen deutlich, dass andere Assistenten etwas schlauer sind als Siri. Aber Siri macht auf dem HomePod definitiv das, was sie soll, und – was für mich noch weitaus wichtiger ist – sie macht nichts, was sie nicht soll.

 

Datenschutz

Ein oft eher sekundäres, aber aus meiner Sicht grundlegendes Thema bei der Auswahl eines smarten Speakers ist, wie das Gerät bzw. der Anbieter mit den persönlichen Daten umgeht. Hier verfolgt Apple die konsequenteste und, aus Sicht des Users, beste Strategie aller Anbieter. In den Datenschutzbestimmungen beschreibt Apple, dass Datenschutz aus seiner Sicht ein grundlegendes Menschenrecht darstellt und jeder Nutzer das Recht hat, dass seine Daten privat bleiben. Jeder kann selbst entscheiden, wie wichtig ihm das Thema Datenschutz ist. Ich für meinen Teil betrachte Apples Herangehensweise an diese Thematik als Mindeststandard. Alles darunter ist inakzeptabel und daher der Showstopper für den Einsatz in meinen vier Wänden.

AirPlay 2

Mit AirPlay 2 hat Apple den Funktionsumfang von AirPlay um den Bereich der Multi-Room-Unterstützung erweitert. So kann man in jedem Zimmer die gleiche oder unterschiedliche Musik hören. Sowohl der HomePod als auch andere AirPlay-2-kompatible Lautsprecher können mittels Sprachkommando gesteuert werden. Das erhöht die Flexibilität und Einsatzszenarien für den HomePod und auch für andere AirPlay-2-fähige Lautsprecher.

 

Apple Music

45 Millionen Songs, keine Werbung, kuratierte Inhalte, eigene Radiosender: Nach holprigem Start wird Apple Music mittlerweile immer besser. Apple ist aktuell die Nummer zwei im Musikstreamingmarkt hinter dem Pionier und Platzhirsch Spotify. Wer Apple Music abonniert hat, verwendet sein Abo deutlich intensiver, sobald der HomePod angeschafft wurde. Der HomePod ist der optimale Hardwarepartner für Apples Musikdienst im heimischen Netzwerk.

Smart Home

Im Bereich Smart Home und HomeKit hat sich in den letzten Jahren eine Menge getan. Heizung, Licht, Raumklima, Sicherheit oder Gartenbewässerung: Vieles ist mittlerweile smart steuerbar. Mit dem HomePod und Siri reicht ein Sprachbefehl, um Aktionen auszuführen. „Hey, Siri, öffne die Haustür“ ist noch einfacher, als die Aktion in der iPhone- oder iPad-App auszuführen.

 

Ist der HomePod der perfekte Smart Speaker oder gibt’s auch Verbesserungspotenzial?

 

Alternative Musikdienste

Wer seine Musik nicht bei Apple, sondern anderen Anbietern abonniert, kann diese nur über AirPlay 2 auf den HomePod bringen. Das funktioniert zwar in der Praxis problemlos, aber leider nicht so einfach wie per Sprachbefehl auf ein Device, das den Dienst nativ oder via API unterstützt. Aus Sicht von Apple ist dieser Schritt nachvollziehbar und konsequent in der Umsetzung der Ecosystem-Strategie. Der User indes empfindet diese Limitierung als unschön und beschränkt die Auswahl des Musikanbieters nachhaltig.

Radio

Ich mag Radio. Wenn ich am Samstagnachmittag Zeit für Bundesligafußball finde, verfolge ich die Konferenz lieber im Radio statt vor dem Fernseher. Lokale Radiosender höre ich von Zeit zu Zeit sehr gerne und möchte künftig auch nicht darauf verzichten. Der HomePod bzw. Siri sollte in der Lage sein, Radiosender per Sprachbefehl wiederzugeben. Das würde den Funktionsumfang sinnvoll erweitern, ohne dass Apple sein eigenes Ecosystem damit gefährdet.

Apple-IDs und vertrauliche Daten

Dass der HomePod aktuell über eine Apple-ID eingerichtet wird, ist für einen Haushalt mit mehreren Personen nicht optimal. Nachrichten und Mails wiedergeben bzw. versenden lassen, meine Kalendereinträge prüfen, auf individuelle Podcasts und Playlists zugreifen: Das alles sind Themen, die aktuell nur mit dem Account funktionieren, auf dem der HomePod angemeldet ist. Hier muss sich Apple meiner Meinung nach eine Lösung einfallen lassen, denn ein HomePod pro User in gemeinsam genutzten Räumen wie Wohnzimmer, Bad oder Küche ist kein realistisches Szenario.

Sonstiges

Neben einem zeitgesteuerten Ein- und Ausschalten des Geräts würde ich mir weiterhin einen großen Bruder (HomePod Plus) für den HomePod wünschen. Dieser sollte klanglich noch über dem Sonos-Play:5-Modell angesiedelt werden und damit im Stereobetrieb das absolute High-End Feeling auch in sehr großen Räumen bieten. Aus meiner Sicht würde ein solcher großer Bruder das Portfolio im Bereich Audio sinnvoll nach oben abrunden.

Fazit

Erneut stellte Apple bei der Entwicklung eines Produkts den Kundennutzen in den Vordergrund. Der HomePod macht in Version 1 bereits sehr vieles richtig und teilweise sogar besser als seine Konkurrenten. Ich höre zu Hause gerne und oft Musik. Das klappt mit dem HomePod einfacher und qualitativ besser als bisher. Wer Kinder hat, bekommt naturgemäß viele Fragen gestellt. Fragen wie „Warum muss ich jetzt schon ins Bett?“ wird selbst Siri in naher Zukunft nicht zufriedenstellend beantworten. Aber Fragen wie „Wie lang ist die chinesische Mauer?“ beantwortet sie mit Bravour und es macht sogar großen Spaß, ihr solche Fragen zu stellen.

Auch im Bereich Smart Home bietet Apple mittlerweile ein sehr solides Ökosystem, das mit dem HomePod nun noch einfacher steuerbar wird. Wie bereits erwähnt, ist der HomePod für mich ohnehin aufgrund von Apples Datenschutzbestimmungen konkurrenzlos. Aber auch wenn man diesen Aspekt im Vergleich ausklammert, ist er aus meiner Sicht bereits in Version 1 der beste Smart Speaker auf dem Markt. Ich verwende ihn oft und gerne und habe die Anschaffung bisher nicht bereut.

Stefan Schwarz
#Stefan Schwarz

Stefan Schwarz

Business Development Manager

Stefan Schwarz ist als Business Development Manager Apple bei ALSO für die Entwicklung des B2B und Education Geschäfts im Apple Markt verantwortlich. Neben den Apple Bereitstellungsprogrammen (DEP & VPP) und AppleCare ist er Ansprechpartner für die Apple Version der E-Commerce Lösung ALSO MyStore (–professionelle E-Commerce-Lösung für Apple Partner). Privat ist der 37-Jährige Familienvater passionierter Fotograf, überzeugter Apple User und leidenschaftlicher Basketball Spieler.

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