Titelbild: Das Biest.
14.11.2018 - Michael Meinert

Das Biest.

Apple erfindet mit dem iPad Pro das Arbeiten neu.

Seit der Vorstellung des ersten iPads im Jahr 2010 sprechen Analysten und Experten von der Post-PC-Ära. Dass heute in Büros allerorts mobiler gearbeitet wird, ist bekannt. Doch ist ein Berufsleben ohne PC oder Mac überhaupt möglich? Wir gehen dieser Frage nach und werfen gemeinsam mit Ihnen einen Blick auf das neue iPad Pro.

Das Apple Universum – nahezu unendliche Weiten. Das trifft einerseits auf das aktuelle Produktportfolio zu und andererseits auch auf die Betriebssysteme. Auf dem Mac kommt macOS zum Einsatz, iPhone und iPad verwenden iOS, die Apple Watch läuft mit watchOS, tvOS ist der Motor für das Apple TV und der HomePod schließlich verwendet audioOS. Doch Vielfalt ist auch hier kein Nachteil. Apple entwickelt Betriebssysteme und Hardware aus einer Hand und stimmt diese nahezu perfekt aufeinander ab, beide ergänzen und verstärken sich. Durch die verschiedenen Betriebssysteme ergeben sich allerdings auch unterschiedliche Arbeitsabläufe. Wer seit Jahren auf dem Mac arbeitet, hat seine Prozesse für diese Plattform perfektioniert und findet sich dort blind zurecht. Andere Nutzer haben ihren Einstieg möglicherweise über das iPhone gefunden und setzen das iPad mehr und mehr im Business ein.

 

 

Wenn Sie, wie ich, zur zweiten Gruppe gehören, haben Sie bestimmt mit großer Spannung und Vorfreude die Vorstellung des neuen iPad Pro verfolgt, das seit Anfang November im Handel erhältlich ist. Apple hat mit diesem Produkt vor allem den professionellen Nutzer im Blick, also diejenigen Personen, die mit einem iPad Pro Geld verdienen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet relativiert sich der (zugegebenermaßen teils sehr stattliche) Anschaffungspreis: Im beruflichen Umfeld gilt der Spruch „Zeit ist Geld“ und so ermöglicht das iPad Pro Fotografen, Videocuttern oder YouTubern mehr Aufträge in der gleichen Zeit bearbeiten zu können. Ob der Anschaffungspreis gerechtfertigt ist, darf man somit individuell entscheiden.

Mit dem neuen iPad Pro erhalten Sie ein Biest. Nie zuvor gab es mehr Rechenleistung in einem Tablet und selten in einem Notebook. Apple selbst hat in den Raum gestellt, dass das neue iPad Pro schneller als 92 % der erhältlichen portablen PCs sein soll. Wenn man sich die ersten Tests ansieht, neigt man dazu, dieser Aussage Glauben zu schenken. Teilweise dringt die A12X Bionic CPU/GPU in Leistungsdimensionen vor, die bisher einem MacBook Pro 13“ vorbehalten waren. Kein Wunder, dass sowohl Adobe mit Photoshop als auch Autodesk mit AutoCAD angekündigt haben, die Desktopversionen ihrer Software auf das iPad Pro zu bringen. Auch Spieleentwickler schwärmen von der Power, die sich nun auf dem Niveau einer Microsoft Xbox One S befindet. Diese ist mit circa 300 € ohne Frage deutlich günstiger, kann aber eben auch „nur“ Spiele. Beim iPad hingegen handelt es sich um ein mobiles Powerhouse, das lediglich 468 Gramm in der 11“-Version und 633 Gramm beim 12,9“-Modell auf die Waage bringt – egal, ob mit 64 GB oder dem maximalen 1-TB-Speicherplatz. Portabler kann Rechenleistung heute nicht sein.

 

 

Optisch unterscheidet es sich dank des neuen All-Screen Designs markant vom Vorgängermodell. Das vom iPhone XR bekannte Liquid Retina Display ist nun nahezu randlos, was das neue iPad Pro spürbar kompakter macht als den Vorgänger (25 % bei der Version mit 12,9“-Display). Der Home Button wurde im Zuge dieser Schrumpfkur eliminiert und durch Face ID ersetzt. Dieser Goldstandard der einfachen Absicherung von mobilen Geräten ist uns seit dem iPhone X bekannt. Ob Sie Ihr iPad Pro zum Entsperren hochkant oder waagerecht halten, interessiert Face ID übrigens nicht. Es erkennt Sie immer. Auch mit neuer Brille. Oder Vollbart. Oder Bad Hair Day. Echt genial einfach und super sicher.

Durch den Wegfall des Home Buttons ändert sich auch die Bedienung. Benutzer eines iPhone X (oder neuer) kennen diese bereits – allen anderen bringt Apple die neue Bedienweise schnell bei. iOS eignet sich dabei hervorragend für Multitasking, denn auf dem Display können Programme im flexiblen Split View angezeigt werden. Eine Präsentation erstellen und dabei den Posteingang für eine wichtige Mail im Auge behalten? Ein Adobe PDF bearbeiten und gleichzeitig in Safari recherchieren? Alles kein Problem: Hier spielt das iPad Pro seine mobilen Stärken perfekt aus!

Auch beim Zubehör gibt es Neuerungen. Da ist einerseits der neue Apple Pencil, der nun magnetisch am iPad Pro haftet und dort zeitgleich unverlierbar aufgeladen wird. Mit einem Doppelklick auf die Spitze des Pencils können nun die Werkzeuge in Bildbearbeitungsprogrammen gewechselt oder andere unterstützte Funktionen genutzt werden. Smart Keyboard Folio heißt die neue von Apple vorgestellte Tastatur. Es hält dank der 103 im iPad Pro verbauten Magnete präzise und fest den Kontakt zum iPad Pro. Das neue Keyboard dient übrigens gleichzeitig als eleganter Schutz für die Vorder- und Rückseite des iPads. Clever. Mit dem neuen USB-C-Anschluss lässt sich wiederum mehr Zubehör mit dem iPad verbinden, denn Lightning gehört hier bereits der Vergangenheit an. USB-C ermöglicht eine schnellere Verbindung mit externen Geräten wie Kameras, Monitoren oder anderer Peripherie.

Ist das iPad Pro nun der perfekte Computer? Angesichts der Rechenpower und der angesprochenen Neuerungen ist Apple sehr nah an dieses Ziel herangekommen. Der eine oder andere Punkt trübt das Bild jedoch, noch zumindest. iOS erlaubt auch weiterhin kein klassisches Filesystem, in dem der Anwender Daten speichern und verwalten kann. Die App „Dateien“ gilt als eine eher unbeliebte Krücke, die weder für Übersicht noch für Flexibilität sorgt. An dieser Stelle punktet ganz klar der Mac. Auch der Anschluss von externem Zubehör per USB-C präsentiert sich heute undurchsichtig. Mit dem 4K-Display von LG klappt es gut, das (zusammen mit Apple entwickelte) 5K-Modell ist hingegen nicht nutzbar. Externer Speicher wird zudem nicht immer erkannt und kann ausschließlich zum Import von Bildern bzw. App-Daten verwendet werden. Eine Speichermöglichkeit gibt es auf diesen Medien allerdings heute noch nicht, was gerade für Fotografen einen Nachteil bedeutet, wenn sie Daten schnell zwischen mehreren Geräten austauschen müssen. Fotografen monieren übrigens auch, dass man Fotos von externen Medien immer zuerst in die Fotos App von Apple importieren muss, bevor man sie in anderen Programmen, etwa der Adobe Creative Cloud, verwenden kann. All das sind systembedingte Stolpersteine, die hoffentlich spätestens mit iOS 13 ausgeräumt werden.

 

Michael Meinert
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Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

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