Titelbild: Der beste Computer ist vielleicht keiner
25.05.2016 - Michael Meinert

Der beste Computer ist vielleicht keiner

Wie das neue Apple iPad Pro die Arbeitswelt revolutioniert

„Let us loop you in“ war das Motto der jüngsten Keynote, die am 21.03.2016 im Hauptquartier von Apple stattfand. Zum voraussichtlich letzten Mal wurden Journalisten, Mitarbeiter und Fans i„n die Firmenadresse „1 Inifinite Loop“ in Palo Alto eingeladen, um die neuen Produkthighlights zu bewundern. Denn der Umzug in das neue Firmengebäude, den Apple Campus 2, ist für dieses Jahr geplant.

Der neue Veranstaltungssaal, in welchem Apple zukünftig seine Keynotes abhält, ist für 1.000 Zuhörer geplant und unterirdisch angelegt. Man erreicht den Saal über einen überirdischen Eingang, der aus einer runden Struktur aus Glas und Metall besteht. Während der Apple Campus 2 schnell den Spitznamen „Raumschiff“ erhalten hat, hat die Webseite Mashable dem Auditorium den passenden Titel „Fliegende Untertasse“ verliehen. Daneben wirkte die Bühne im bisherigen Firmengebäude kompakt, fast schon geschrumpft und bot damit den perfekten Rahmen für die Produkte des Abends. Das iPhone SE, ein Smartphone im ikonischen Design, welches moderne Apple Technologie hinter einem kompakten 4″-Display verbirgt.

iPad Pro schwebend

Der Star des Abends: das neue iPad Pro

Wie, iPad Pro? Das hatten wir doch erst in der letzten Ausgabe?! In der Tat hat Apple das im November 2015 veröffentlichte iPad Pro mit 12,9″ um einen kleinen Bruder mit einem 9,7-Display ergänzt. Die technischen Unterschiede sind marginal, wie die Internet-Gemeinde schnell recherchierte. Verkürzt könnte man sagen, dass Apple die Technik etwas zurückgeschraubt und damit an das kleinere Display angepasst hat. 

iPad Pro mit Tastatur

Doch wieso nennt Apple den Nachfolger zum iPad Air 2 eigentlich iPad Pro?

Ganz einfach: Weil es eben nicht dessen Nachfolger ist, sondern eine erweiterte Modellreihe. Wer mit seinem iPad im Internet surfen, Mails checken, Fotos machen, bearbeiten und anschauen möchte, der kann das mit dem iPad Air 2 tun – genauso smart, wie man es von Apple gewohnt ist. Selbst für das voraussichtlich im September erscheinende iOS 10 wird es noch gut geeignet sein – dem leistungsfähigen A8X-Chip sei Dank. Andere Hersteller hätten es sich nicht entgehen lassen, einige wenige neue Features in das gleiche Gehäuse zu packen und es mit viel Tam-Tam als besten Nachfolger aller Zeiten zu präsentieren. Ich rechne es daher Apple hoch an, dass sie diesen Weg nicht gegangen sind, sondern es sich schwer gemacht haben.

iPad Pro und Keyboard Andockmanöver

Das iPad Pro wurde von Apple als der „vielleicht beste Computer“ tituliert: Ein Arbeitsgerät der Spitzenklasse, das alle Anforderungen des modernen Bürolebens dank hoher Leistung, einem intuitiven Betriebssystem und einer Kombination aus Tastatur, Touch-Display und Bedienung mit einem Apple Pencil meistert. Ob damit wirklich jede Arbeit im Büro erledigt werden kann, das muss an einer anderen Stelle geklärt werden. Die Message ist jedoch klar: Apple sieht im iPad Pro den eigenen Beitrag zur digitalen Transformation der Arbeit – und es ist ein wirklich gelungener Beitrag!

Wer schon einmal ein iPad Pro 12,9″ benutzt hat, freut sich über das große, brillante Display, die intuitive Eingabe mit dem Apple Pencil, die sehr gute Tastatur eines Apple Smart Keyboard oder eines Logitech Create (Letzteres gibt es „sogar“ in Deutsch) und die fantastische Leistungsfähigkeit. Bildbearbeitung mit einer Vielzahl von Adobe Apps? Kein Problem! Arbeiten mit PowerPoint oder Word, und das auch im Split-Screen? Spielend machbar! Videoschnitt oder Abmischen von Sound-Dateien? Für Kreative gibt es nahezu kein Limit mehr! Sobald man sich jedoch auf die Couch zurückziehen und die vier Lautsprecher bei einem aktuellen Kinofilm aufdrehen möchte, werden die Arme schnell schwer. Dieses iPad Pro ist mit etwas mehr als 700 Gramm kein Leichtgewicht. Auch im Café, Zug oder Flugzeug schränken kompakte Platzverhältnisse manchmal ein.

„Die perfekte Kombination für Büro und Couch.“

Daher bin ich ein Fan des  iPad Pro 9,7″, denn dieser Formfaktor ist einfach ideal. Er bietet mir die optimale Bildschirmgröße bei einem niedrigen Gewicht von 437 Gramm – die perfekte Kombination für Büro und Couch. Gerne verzichte ich dabei auf etwas Rechenleistung, wenn ich dafür an anderer Stelle sogar noch etwas mehr bekomme: ein komplett neues Display.

True Tone Display – das neue Wunderwerk

Es nutzt den gleichen Farbraum wie die digitale Filmindustrie und bietet damit um 25 % mehr Farbsättigung als alle bisherigen iPad-Modelle. Wofür braucht man das? Fotografen und Bildbearbeiter werden es lieben, denn die Farben werden dadurch lebendiger, realistischer und intensiver. Da passt es doch perfekt, dass das iPad Pro 9,7″ auch über eine 12 Megapixel iSight Kamera verfügt – auch das gab es noch bei keinem iPad. Fotografieren und das Bearbeiten von Fotos ist also auch eine Spezialdisziplin des neuen iPad Pro. Das True Tone Display verbessert dabei übrigens die mit iOS 9.3 eingeführte Funktion „Night Shift“ noch einmal deutlich: Mithilfe eines Vier-Kanal-Umgebungslichtsensors misst das iPad Pro automatisch das Licht in der Umgebung und passt das Display sofort darauf an. Egal ob in der Abenddämmerung oder bei gleißendem Sonnenschein – Lesen auf einem  iPad Pro 9,7″ ist deutlich natürlicher und angenehmer. Zudem reflektiert es spürbar weniger als jedes vorherige iPad.

iPad Pro 9 Zoll

Was braucht man ansonsten für einen Computer der nächsten Generation? Eine Tastatur (zum Start leider wieder das gute Smart Keyboard im für uns wenig brauchbaren US-Layout), ein Apple Pencil und ein Touch­-Display. Zusammen mit iOS 9.3 und den Apps von Microsoft, Adobe, Apple und vielen innovativen Entwicklern wird aus dem iPad Pro die Grundlage für mobiles und modernes Arbeiten. „Information at your fingertips“ bedeutet im Jahr 2016 nicht mehr, dass man Informationen in PCs eingibt – es bedeutet, dass mir Informationen von modernen IT- und Cloud-Infrastrukturen auf meinem mobilen Gerät zur Verfügung gestellt werden.

Zugegeben: Wir sind noch nicht am Ziel.

Der digitale Wandel hat zwar begonnen und die Strukturen und der Einsatz von IT werden sukzessive modernisiert. Das stellt allerdings Anforderungen an alle Unternehmen des Mittelstands. Es geht um die Frage, wie die eigene Wettbewerbsfähigkeit erhalten und ausgebaut werden kann: Wo werden zukünftig Erträge verdient? Einfach wird es wahrlich nicht – es geht um die Bereitschaft, alte Zöpfe abzuschneiden, erhebliche Investitionen in neue Strukturen, Abläufe und IT-Systeme zu tätigen, den eigenen Unternehmenskern neu zu erschaffen. Vermutlich wird dies nicht allen gelingen – die Unternehmenslandschaft wird sich disruptiv verändern und Anbieter von neuen Leistungen hervorbringen. Eine spannende Zeit für Dienstleister, Berater und serviceorientierte Händler.

Apple hat in den letzten 18 Monaten neue Produkte vorgestellt, die diesen Wandel, begleiten werden. Die Apple Watch ist keine Uhr – sie ist ein persönlicher Assistent am Handgelenk. Das Apple TV ist keine Set-Top-Box – mit seinen Apps ist es ist die Zukunft des Fernsehens. Das iPad Pro, welches es jetzt in zwei verschiedenen Modellvarianten gibt, ist kein Tablet – es ist ein flexibler, einfacher und nahezu universell einsetzbarer moderner Computer.

Oder, wie Apple es im hauseigenen TV-Spot selbst sagt: „This is where we believe personal computing is going.“

Fazit

Natürlich ist dieser Artikel komplett auf einem iPad Pro mit einem Smart Keyboard entstanden. Das englische Tastatur-Layout war dabei nur bedingt eine Herausforderung (wer mit 10 Fingern tippen kann, gewöhnt sich schnell daran). Für mich ungewohnt war die kombinierte Eingabe über das Keyboard und das Touch-Display. Im Lauf weniger Stunden konnte ich mich allerdings sehr schnell für diese Art des Arbeitens begeistern. Von da an macht iOS erst richtig Spaß: Apps im Fenstermodus oder Split-Screen zu nutzen, ist auf dem 9,7″-Display perfekt. Ein paar Fakten zu recherchieren, während ich diesen Text schreibe, ist damit keine Herausforderung. Entwurfsideen für das Cover der iMOTION zeichne ich mit dem Apple Pencil und schicke sie an die Agentur oder schlage einen Look für die neuen Fotos unserer Website in Lightroom Mobile vor. Wohlgemerkt ohne dass ich mich nur halbwegs als Fachmann für diese Themen sehen würde. Es ist einfach und es ist intuitiv. Ich habe mich also getäuscht: iOS ist eine gute Plattform zum Arbeiten – zumindest mit dem neuen iPad Pro.

Michael Meinert
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Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

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