Titelbild: Die fantastische Vier.
07.11.2018 - Michael Meinert

Die fantastische Vier.

Die Apple Watch ist erwachsen geworden.

Seit September 2018 gibt es die Apple Watch Series 4 im Handel. Diese mittlerweile vierte Generation ist ungefähr dreieinhalb Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Apple Watch erschienen. Was hat sich getan? Für wen lohnt sich der Umstieg? Für wen lohnt sich der Einstieg?

 

Vergleich zur Series 3

Bereits auf den ersten Blick sieht man, dass Apple die Series 4 bzw. Series 4 Nike+ deutlich überarbeitet hat. Das Display ist nun 30 % größer als beim Vorgängermodell und hat durch die abgerundeten Ecken des Gehäuses einen neuen, wunderschönen Look erhalten. Einerseits ist der Rand des Displays deutlich schmaler geworden und andererseits hat Apple die Displaygröße von 38 mm bzw. 42 mm auf 40 mm bzw. 44 mm angehoben. Zusammen ergibt dies den genannten 30 % größeren Anzeigenbereich, der perfekt durch die neuen Ziffernblätter genutzt wird. Diese sind nicht nur schön, sondern auch nützlich, da sie bis zu acht Komplikationen gleichzeitig darstellen können. Eine Komplikation ist ein kleines interaktives Icon auf dem digitalen Ziffernblatt der Watch, das eine Kerninformation aus einer App darstellt oder diese startet. So kann man sich gleichzeitig über die Außentemperatur, den UV-Index oder die eigene Herzfrequenz informieren, während man durch Antippen einer anderen Komplikation einen Song oder ein Training startet. Apple nutzt die hinzugewonnene Fläche auf dem Display damit sehr gut aus und bietet uns einen nützlichen Vorteil.

 

Redesign der Crown

Das Gehäuse selbst ist etwas schlanker und filigraner geworden. Ins Auge fällt auch die neue Digital Crown, also das mechanische Rad an der rechten Seite der Watch. Dieses hat Apple komplett neu konstruiert und es wartet nun mit haptischem Feedback auf. Das lässt die Watch deutlich wertiger wirken, da sie sich nun mehr wie eine Uhr und weniger wie ein IT-Produkt anfühlt. Auch der rote Punkt auf der Crown, das bisherige Unterscheidungsmerkmal zwischen dem LTE-Modell und der GPS-Variante, ist einem dezenten roten Kreis gewichen. Trotz der Überarbeitung des Äußeren bleibt eine Sache gleich: Ihre bisher erworbenen Watch-Armbänder passen auch weiterhin, was Ihre modischen Auswahlmöglichkeiten noch weiter erhöht.

 

 

Besserer Klang

Verbesserungen gibt es zudem beim Lautsprecher und Mikrofon. Letzteres ist auf die gegenüberliegende Seite der Watch gewandert, was für deutlich weniger Echos während Telefonaten oder des Aufnehmens von kurzen Sprachnachrichten über die neue Funktion „Walkie-Talkie“ sorgt. Der Lautsprecher ist nun bis zu 50 % lauter und damit verstehe ich meine Gesprächspartner auch weitaus besser.

 

Länger Leistungsstark

In der Watch verrichtet der neu entwickelte S4-Chip seinen Dienst, der bis zu 2-mal mehr Leistung bringt als die Watch Series 3. Apps starten oder wechseln merklich schneller, jede Aktion wird sofort ausgeführt, es gibt keine Verzögerungen mehr. Dies vermittelt mir das Gefühl, eine echte Uhr am Handgelenk zu tragen. Gleichzeitig hat Apple eine Displaytechnologie eingesetzt, die den Namen LTPO trägt. Das neue Display sorgt für eine bekannt brillante Darstellung und hilft beim Energiesparen. Trotz des markanten Leistungszuwachses und des größeren Displays bleibt die Batterieleistung bei 18 Stunden. Die meisten Anwender können also bis zu zwei Tage mit der Apple Watch aktiv sein, ohne den Akku laden zu müssen.

 

Prävention ist besser als Medikation

Doch kommen wir von technischen Features zu dem wichtigsten Mehrwert, den uns die Apple Watch bietet: der Verbesserung unserer Gesundheit. Manchmal möchte man ja schon verstehen können, was in unseren Köpfen so vorgeht. Das Auto bekommt das beste Motoröl spendiert, für die Waschmaschine kaufen wir Entkalkungstabs und zum teuren 4K HDTV gibt’s natürlich eine Steckdose mit Überspannungsschutz. Technik ist teuer und damit wertvoll – sie soll so lange wie möglich im Einsatz bleiben. Doch was gibt es Wertvolleres als unser eigenes Leben? Hier sparen wir jedoch, denn das günstige Salatöl sollte auch ausreichen, Vitamin- und Nährstoffpräparate gibt’s günstig im Discounter und ein Mitgliedsbeitrag für Fitness oder Yoga kostet auch wieder zusätzliches Geld (und Zeit, die wir nicht zu haben glauben). So fahren wir mit unserem Körper im Automatikmodus durchs Leben, ernähren uns von Dingen, die Lebensmitteldesigner auf unser Steinzeithirn abgestimmt haben, bewegen uns zu wenig und sitzen zu viel. Anschließend fahren wir mit dem gut geölten Auto zum Arzt, der uns die eine oder andere unbequeme Wahrheit präsentiert. Apple verfolgt hier eine sinnvolle und wirklich wunderbare Philosophie, an der sich das deutsche Gesundheitssystem ein Beispiel nehmen kann: Prävention ist besser als Medikation.

 

Die drei Ringe

Einerseits ermuntert mich die Watch über drei einfache Ringe, mich mehr zu bewegen. Den roten Kreis (Bewegen) schließe ich, indem ich jeden Tag ein von mir selbst vorgegebenes Kalorienziel durch Aktivität erreiche. Der grüne Kreis (Trainieren) bringt mich dazu, sportlicher zu werden. 30 Minuten Training pro Tag lautet das einfach zu erreichende Ziel. Spazierengehen, Yoga, Schwimmen oder Laufen – die Watch bringt viele Sportprogramme mit und erkennt die Bewegung automatisch. Der blaue Kreis (Stehen) ermuntert mich, temporär meinen Bürostuhl zu verlassen und mich einfach ein paar Sekunden zu bewegen. Aufstehen, sich ausschütteln, ein paar Meter gehen und den Kreislauf wieder in Gang bringen. Es gehört nicht viel dazu, damit die Watch und der eigene Körper zufrieden sind. Die Kreise werden mit einem Belohnungssystem unterfüttert: Wer fleißig ist, erhält auch Medaillen dafür – und neue monatliche Herausforderungen. Ein Beispiel: Wer sein tägliches Bewegungsziel schafft, erhält dafür irgendwann den Erfolg „Bewegungsserie“, den man sich jeden Tag neu erarbeiten muss. Meine persönliche Serie hält nun schon mehr als ein Jahr und die werde ich sicher nicht wegen eines faulen Abends auf der Couch abreißen lassen.

 

Vorausschauend planen

Auch beim Sport selbst bringt mir die Apple Watch viele Vorteile. Neben den neuen Funktionen des Betriebssystems watchOS 5 (darauf gehen wir in einem anderen Artikel dieser Ausgabe ein) zählt für mich vor allem die Kombination aus unterschiedlichen Features, welche die Watch im Repertoire hat. Über eine Komplikation sehe ich, wann die Sonne auf- oder untergeht, oder kann mir die Wettervorhersage für den nächsten Tag ansehen. Damit weiß ich auch ohne einen Blick auf das iPhone, wann der beste Zeitpunkt für das nächste Lauftraining ist. Beim Sport kann ich Podcasts oder Musik hören und dafür ebenfalls das iPhone zu Hause lassen. Entweder synchronisiere ich den Beat zum Training vorab auf die Uhr oder streame die Daten unterwegs (hierfür ist die LTE-Version der Watch notwendig). Mit kabellosen Kopfhörern wie den Apple AirPods funktioniert das wirklich einfach und zuverlässig.

Unser innerer Motor

Doch Apple geht es nicht nur um sportliche Aktivität, sondern auch um Prävention. Gerade Herzkrankheiten gelten als tückisch, weil sie nicht einfach zu erkennen sind. Glücklicherweise steckt nicht hinter jedem Stechen im Brustkorb gleich ein Herzinfarkt. Aber ist das für uns ein Grund, uns mal wieder vom Doc durchchecken zu lassen? Viele Menschen suchen erst dann einen Arzt auf, wenn etwas wirklich im Argen liegt – auch mit dem Risiko, dass man dann die eine oder andere Ausfahrt auf dem Highway der Gesundheit schon verpasst hat. Apple setzt genau hier an und hat in der Watch Series 4 einen optischen Herzsensor der zweiten Generation verbaut und diesen um einen elektrischen Herzsensor ergänzt. Beide sind darauf spezialisiert, den Herzrhythmus laufend zu überprüfen sowie Unregelmäßigkeiten zu erkennen und zu melden. Bereits die letzte Version der Watch hat automatisch darauf hingewiesen, wenn sich der Herzschlag ohne körperliche Aktivität erkennbar erhöht hat. Der neue Sensor erkennt nun auch, wenn die Herzfrequenz einen bestimmten Grenzwert unterschreitet. Dies kann ein Anzeichen für Bradykardie sein – einen nicht ungefährlich verlangsamten Herzschlag, der den Körper nicht ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Somit liefert die Apple Watch einen wichtigen Hinweis, der im ärztlichen Gespräch aufgegriffen werden kann und sollte.

 

Sturzerkennung

Der neu entwickelte Beschleunigungssensor bzw. Gyrosensor erkennt nun Beschleunigungen bis zu 32 G. Diese Entwicklung ist nicht nur für Raumfahrer oder Kampfpiloten interessant, sondern für jeden von uns. Wenn wir stolpern oder zu stürzen drohen, läuft bei uns ein eingebautes Rettungsprogramm ab. Wir versuchen das Gleichgewicht zu halten oder stützen uns im schlimmsten Fall mit den Armen ab. Dabei bleibt keine Zeit für eine bewusste Bewegung, weshalb dies automatisch und damit sehr schnell stattfindet. Diesen möglichen Sturz erkennt die neue Apple Watch und setzt einen automatischen Notruf bzw. eine Meldung an die hinterlegten Notfallkontakte ab, wenn der Nutzer nicht innerhalb einer kurzen Frist reagiert. Gerade für ältere Menschen bietet die Watch nun erstmals wirkliche Vorteile. Die Sturzerkennung mit automatischer Benachrichtigung der Verwandten in Kombination mit einer dauerhaften Messung des Herzrhythmus und der Darstellung auf einem deutlich größeren Display macht die Watch zu einem wertvollen Begleiter für alle, die länger autark in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben wollen. Sofern die Watch dann noch automatisch vibriert, wenn die Enkel anrufen, bleibt auch kein Telefonat unbeantwortet.

 

Allroundtalent

Im Bereich der Gesundheit und der Aktivität könnte man noch so viel mehr erzählen. Es gibt Apps, die mich daran erinnern, mehr Wasser zu trinken, die tägliche Kalorienzufuhr zu tracken, zu meditieren oder meine Achtsamkeit durch bewusstes Atmen zu erhöhen. All das passt perfekt in das Konzept von Apple, welches seit der Watch Series 2 konsequent umgesetzt wird. Die Watch ist daher kein modisches Produkt, obwohl sie sich sehr modisch präsentiert und sich durch das Auswechseln der Armbänder perfekt mit dem eigenen Outfit kombinieren lässt. Sie ist auch kein IT-Produkt, wenngleich sie mit ihrer extrem leistungsfähigen Technik und der Vielzahl von Sensoren auf engstem Raum ein Meisterwerk der IT-Technologie darstellt. Ebenso handelt es sich bei dieser Watch nicht um ein Tool für Kommunikation, auch wenn ich nur noch selten auf mein iPhone schaue, weil die Nachrichten direkt an mein Handgelenk gehen und ich selbst kurze Telefonate auf der Watch führen kann. Sie verkörpert viel mehr als das! Apple beschreibt den Mehrwert als „Halb Bodyguard, halb Guru“, was die Sache auf den Punkt bringt: Die Apple Watch ist ein persönlicher Begleiter, der erkennt, wie es mir geht, und mich dazu ermuntert, diesen Zustand zu verbessern. Zudem bleiben alle Daten dort, wo sie sein sollen: bei mir. Sie befinden sich verschlüsselt auf der Watch bzw. dem iPhone, liegen verschlüsselt in der iCloud und die Watch selbst wird mit einem Code geschützt. Apple beteuert seit Jahren glaubhaft, kein Interesse an den Daten der eigenen Kunden zu haben, weil das eben nicht das Geschäftsmodell des Konzerns aus Cupertino ist. Das sieht bei Smartwatches mit Google Wear OS oder günstigen Modellen mit möglicherweise unsicheren Apps anders aus. Nichts ist persönlicher als der eigene Herzschlag – daher muss dieser auch sicher abgespeichert werden.

 

Kommentar

Die Apple Watch ist erwachsen geworden. Mit der Series 4 bzw. Series 4 Nike+ liefert Apple eine rundum erneuerte Smartwatch der Extraklasse ab. Jede Funktion wurde sinnvoll überarbeitet und alle technischen Komponenten haben einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht. Optisch präsentiert sich die Watch deutlich attraktiver und das größere Display bietet mir mehr Funktionen auf einen Blick. Die Sensoren werten Daten in größerem Umfang aus und bereiten sie mir intelligent und zweckmäßig auf. Gerade in den Bereichen Aktivität und Gesundheit bringt mir die Watch nun mehr Vorteile denn je – gerade wenn es die nötige Motivation zur richtigen Zeit ist. Die Apple Watch hat sich von einer reinen Erweiterung des iPhones zu einer wertvollen Hilfe bei der Verbesserung der eigenen Gesundheit entwickelt. Apple verfolgt diese Strategie konsequent weiter und setzt dabei die richtigen Akzente. Ich kann die Apple Watch Series 4 bzw. Series 4 Nike+ nur uneingeschränkt empfehlen und jedem ans Herz legen, der entweder über die Anschaffung einer Smartwatch nachdenkt oder ein älteres Modell der Generationen 0 bis 2 besitzt. Selbst Nutzer, die das Vorgängermodell lieb gewonnen haben, sollten einen Blick auf den Gebrauchtmarkt werfen. Aktuell ist es nicht uninteressant, das alte Modell in Zahlung zu geben und für eine überschaubare Zuzahlung auf das neueste Modell umzusteigen. Ich habe das jedenfalls so gemacht.

 

Michael Meinert
#Michael Meinert

Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

Ganzen Artikel lesen