Titelbild: Apple & Umweltschutz.
07.11.2018 - Michael Meinert

Apple & Umweltschutz.

Wie sich der Megakonzern um die Umwelt kümmert.

Wir leben in einer Zeit der Wegwerfprodukte. Die immer schneller werdende Weiterentwicklung von Technologie sorgt in Kombination mit einer möglichst billigen Produktion der Produkte dafür, dass die soeben erworbene Hightech in spätestens einem Jahr zum alten Eisen gehört – zumindest möchte uns dies das Marketing vieler Hersteller glauben machen.

Mittlerweile ist in unserer Gesellschaft allerdings angekommen, dass es sich hierbei um einen mehr als bedenklichen Trend handelt. So sind uns die schlechten Arbeitsbedingungen von Arbeitern in chinesischen Fabriken durch diverse Reportagen bestens geläufig. Weitaus schwerer wiegt allerdings der Umweltaspekt, denn dieser begegnet uns nicht nur im Fernsehen, sondern auch vor der eigenen Haustür: Vertrocknete Felder und Wiesen, Verwüstungen durch Unwetter und Hagel sowie Jahrhunderthochwasser mit wenigen Jahren Abstand – wir erleben, dass sich das Klima wandelt. Obwohl China bereits 2013 die weltweite Führungsrolle bei den Investitionen in erneuerbare Energien übernommen hat, stammen auch 2017 noch 70 %
der chinesischen Stromerzeugung aus Kohle und Gas, wobei der Löwenanteil auf Kohle entfällt. Mit anderen Worten: Jedes günstige Produkt auf wish.com heizt den Klimawandel weiter an. Zu guter Letzt stecken in jedem technischen Produkt Rohstoffe, allen voran die seltenen Erden. Diese haben ihren Gattungsnamen nicht von ungefähr und müssen zudem erst mit Säure aus dem Erdreich „gewaschen“ werden. Zurück bleiben ungesicherte Gruben mit toxischem Inhalt (Uran, Schwermetalle, Säuren), welche eine Gefahr für das Grundwasser darstellen. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass auch der Wasserkreislauf seinen Namen nicht von ungefähr erhalten hat.

In den letzten Jahren hat Apple ernsthafte Anstrengungen unternommen, um vor allem beim Umweltschutz nachhaltige Verbesserungen zu erzielen. Das zeigt sich nicht nur an Aussagen und Handlungen von Tim Cook, sondern auch an zwei weiteren Persönlichkeiten im Apple Topmanagement. Bereits seit 2003 gehört Al Gore dem Board of Directors an, welcher der Öffentlichkeit als Vizepräsident von Bill Clinton in den Jahren 1993 bis 2000 bekannt geworden ist. Nach dem Jahrtausendwechsel widmete sich Al Gore dem Umweltschutz und hat unter anderem mit den beiden aufrüttelnden Dokumentationen „Eine unbequeme Wahrheit“ (2006 veröffentlicht, unter anderem mit zwei Oscars ausgezeichnet) und „Immer noch eine unbequeme Wahrheit “ (2017 veröffentlicht) für Aufsehen gesorgt. Die zweite Persönlichkeit ist Lisa Jackson, Vice President Environment, Policy and Social Initiatives. Sie hat in den Jahren 2009 bis 2013 unter Obama die amerikanische Umweltschutzbehörde (EPA) geleitet. Zuvor war sie 22 Jahre bei den Umweltschutzbehörden der USA bzw. von New Jersey beschäftigt. Es geht Apple also beileibe nicht nur um positives Marketing.

Dass Apple auf diesem Weg deutliche Fortschritte gemacht hat, unterstreicht der Guide to Greener Electronics 2017. Er wird von der Non-Profit-Organisation Greenpeace herausgegeben, die sich seit 1971 dem Umweltschutz verschrieben hat und Apple in der Vergangenheit sehr offen kritisiert hat.

Im neuesten Report wurde Apple jedoch vor allem für die Verwendung erneuerbarer Energien gelobt. So wird mittlerweile der komplette Energiebedarf aller Apple Standorte weltweit zu 100 % durch erneuerbare Energien gedeckt. Dazu zählen neben allen Büros und den Apple Stores auch die Rechenzentren, welche unter anderem den Betrieb der iCloud, iMessage, Siri oder FaceTime sicherstellen. 77 % des Energiebedarfs entfallen allerdings auch bei Apple auf die Produktion, weswegen man sich in Cupertino seit 2015 mit dem Thema befasst. So erhalten Zulieferbetriebe strikte Emissionsvorgaben und werden diesem Kriterium entsprechend ausgewählt. Aufgrund dessen sind laut Apple bis jetzt 14 Zulieferer komplett auf erneuerbare Energien umgestiegen. Bis 2020 möchte Apple in der Fertigung 4 Gigawatt aus sauberer Energie gewinnen.

Bei der Nutzung von knappen Ressourcen verzeichnet Apple ebenfalls deutliche Fortschritte. Der hierbei zum Einsatz kommende Roboter Daisy ist in der Lage, bis zu 200 iPhones pro Stunde zu demontieren. Dabei werden die Komponenten sortiert und daraus wieder Materialien wie seltene Erden gewonnen. Über ein Apple eigenes Programm können hierzu bestimmte ältere Produkte in Zahlung gegeben werden. Oder man schickt das Altgerät kostenlos zum Recycling an einen Apple Retail Store. Auch bei den Verpackungen hat sich einiges getan, indem Papier und Karton statt Plastik eingesetzt werden. 2017 stammten erstmalig 100 % des Papiers in Apples Verpackungen aus recycelten Quellen respektive aus verantwortungsvoll bewirtschafteten oder kontrollierten Wäldern. Zu diesem Zweck hat man in Cupertino eigens eine Papier- und Verpackungsstrategie veröffentlicht.

Ein weiterer Aspekt klingt trivial und wird dennoch von vielen Herstellern vernachlässigt: der Schutz von Verbrauchern. Wenn ich täglich eine Apple Watch trage, möchte ich weder einen allergischen Ausschlag noch langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen erleben müssen. Zudem möchte ich mit giftigen Stoffen wie Quecksilber oder Blei zu keiner Zeit in
Berührung kommen, geschweige denn diese bei unsachgemäßer Entsorgung durch meine Mitmenschen in der Umwelt wissen. Apple verzichtet daher seit Jahren bei der Produktion dieser Produkte auf definierte giftige Stoffe und weist außerdem auf den entsprechenden Produktseiten darauf hin. Umfassende Informationen über die Maßnahmen und Erfolge beim Umweltschutz findet man direkt bei Apple auf dieser Informationsseite, die regelmäßig aktualisiert wird.

Trotz aller Erfolge bei Apples ökologischem Bestreben bleibt ein gravierender Kritikpunkt von Greenpeace und anderen Verbänden: die mangelnde Reparierbarkeit. Nach wie vor legt man in Cupertino großen Wert darauf, dass auch beim Kundenservice eine vorgegebene Qualität angeboten werden kann. Dies wird unter anderem durch den Einsatz proprietärer Bauteile erreicht, die nicht im freien Handel erhältlich sind. Zudem werden Komponenten miteinander verklebt, was eine Reparatur weiter erschwert. Die Wikibasierte Website iFixit veröffentlicht neben Reparaturanleitungen auch sogenannte Teardowns, bei denen neue Produkte in ihre Einzelteile zerlegt werden, um anschließend deren Reparaturmöglichkeit zu bewerten. Das 2018er MacBook Pro mit Touch Bar erhält dabei nur einen von möglichen zehn Punkten. Die Community von iFixit hat sich dem Recht auf Reparatur verschrieben. Als Argument wird unter anderem die noch bessere Nutzung von Rohstoffen durch einen längeren Produkteinsatz ins Feld geführt (was man nicht wegwerfen muss, braucht nicht recycelt zu werden). Zudem möchte man Hersteller unter Druck setzen, die mit Sollbruchstellen bei der Produktion für einen kurzfristigen Ersatz der Produkte sorgen wollen. Solche Kritikpunkte sind nicht grundsätzlich gegen Apple gerichtet, treffen allerdings in manchen Belangen auch hier zu.

Apple selbst ist sich dieser Kritik bewusst und argumentiert auf zweifache Weise. Einerseits mit der bereits beschriebenen Servicequalität, die sich weltweit auf einem hohen Niveau befindet. Andererseits legt man in Cupertino großen Wert auf die Aussage, dass Produkte von Apple vor allem langlebige Produkte sind. Das entspricht auch der Meinung vieler Nutzer von Macs, iPads oder iPhones und entsprechende Nutzungsstatistiken oder Analysen unterstreichen dies. So hat der Analyst Horace Dediu herausgefunden, dass Apple Geräte im Schnitt vier Jahre und drei Monate genutzt werden, was auch er als Beleg dafür sieht, dass der Großteil der Apple Kunden mit den Geräten zufrieden ist. So werden ältere Produkte teilweise innerhalb der Familie weitergegeben, was darüber hinaus zu neuen Nutzern für Apple führt. Möglich wird dies unter anderem durch ein kostenloses jährliches Update von Apples Betriebssystemen, das 2018 vor allem bei den iPads besonders umfangreich ausgefallen ist. Diesem Thema widmen wir einen weiteren Artikel im Heft.

Kommen wir zum Schluss noch einmal auf den Report von Greenpeace aus 2017 zurück. Apple hat für seine Umweltinitiativen ein A- erhalten und für die Verwendung bestimmter Chemikalien ein B. Durch die Kritik an der Reparierbarkeit gab es beim Feld der Ressourcen ein C, was für Apple die Abschlussnote B- bedeutet, also einer Zwei minus im deutschen Schulsystem entspricht. Damit liegt Apple deutlich vor allen weiteren A-Brands im IT-Sektor wie HP, Lenovo, Samsung oder Amazon, das den letzten Platz belegte.

 

 

Fazit

Schütze ich nun die Umwelt, wenn ich Produkte von Apple nutze? Ein dünnes Eis. Der beste Umweltschutz wäre vermutlich der komplette Verzicht auf Konsum, industriell hergestellte Nahrung, Hygieneprodukte usw. Sobald man sich von dem starren Gedanken löst, dass alles, einfach alles, was Menschen täglich tun, die Umwelt schädigt, kann man die Frage umformulieren: Unternimmt Apple die richtigen Schritte, um die Umwelt besser zu schützen? Meine persönliche Antwort fällt absolut positiv aus, denn ich schätze Apples Strategie zum Umweltschutz sehr. Aus meiner Sicht handelt es sich dabei um eine Reise, die mindestens bis ins Jahr 2020 definiert ist. Ich glaube nicht, dass die Anstrengungen von Apple dann enden werden, sondern bin der festen Überzeugung, dass man weitere Schritte unternehmen wird, um vor allem die Produktion noch ökologischer zu gestalten. Das kann für uns alle nur gut sein, denn wir alle sitzen am Ende im gleichen Boot, egal ob direkt oder indirekt. Ein Großteil der Menschen möchte regelmäßig neue IT-Produkte einsetzen (oder die Menschen werden davon überzeugt, dass sie es möchten) und wird dies auch weiterhin tun. Daher ziehe ich es vor, wenn es Produkte sind, welche die Natur so wenig wie möglich schädigen. Apple zählt hier zu den Vorreitern und nutzt das natürlich auch im Marketing – wer Gutes tut, soll auch darüber sprechen dürfen.

 

Michael Meinert
#Michael Meinert

Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

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