iMOTION
Titelbild: MacBook Pro – keine Kompromisse
16.11.2016 - Stefan Schwarz

MacBook Pro – keine Kompromisse

Sinkende Mac Umsätze im letzten Quartal, diverse Produkte, die seit langem nicht mehr erneuert wurden und diverse eigene Vorstellungen, was das nächste Produkt denn so alles haben muss.

Sinkende Mac-Umsätze im letzten Quartal, diverse Produkte, die seit Langem nicht mehr erneuert wurden, und diverse eigene Vorstellungen, was das nächste Produkt denn so alles haben muss. Nicht nur bei langjährigen Apple Usern, sondern auch bei Handelspartnern des Herstellers aus Cupertino ist die Wahrnehmung oft sehr spezifisch, um nicht zu sagen: eingeschränkt. In den letzten Wochen war das Warten auf die neuen Macs das zentrale Thema im Apple Channel sowie in den einschlägigen Blogs und Magazinen und natürlich den sozialen Netzwerken. Am 27.10.2016 war es dann endlich so weit: ein neues Apple Event! Schnell steigen allerorts die Erwartungen ins nahezu Unermessliche: „Liegt heute das Gefühl von Revolution in der Luft?“ Rückblickend betrachtet, war das Event sicher nicht so wegweisend wie die Vorstellung des ersten iPhone, iPad oder des MacBook Air. Es war eine solide Vorstellung, aber eben auch nicht mehr … zumindest auf den ersten Blick.

Kein Touchscreen, kein Start-up-Gong, kein leuchtender Apfel, kein MagSafe, kein SD-Kartenslot, keine Einschalt- und/oder Esc-Taste – wie so oft schlägt die erste Berichterstattung nach einem solchen Event eher kritische Töne an, um das einmal vorsichtig zu formulieren. Die Erwartungshaltung sind immer revolutionäre Produkte, aber bitte ohne drastische Veränderung. Apple ist allerdings nicht dafür bekannt, irgendwelche „bells and whistles“ in Produkte einzubauen, nur um die Erwartungshaltung von möglichst vielen zu erfüllen. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Reduktion und Fokus auf das Wesentliche ist die DNA von Apple, was manchmal eine schmerzhafte Übergangsphase bedeuten kann. Als die ersten MacBook-Modelle ohne das übliche DVD-Laufwerk auf den Markt gekommen sind, gab es ebenfalls einen Aufschrei, welcher sich schnell gelegt hat. Ich versuche mich stets nur darauf zu konzentrieren, was man mit einem Produkt in der Praxis machen kann, und da hat das neue MacBook Pro einiges zu bieten.

 

MacBook Pro 3er Collage

Die neue Touch Bar

Die auffälligste Neuerung ist ohne Zweifel die neue Touch Bar. Wenn Sie diesen Artikel lesen, werden Sie sich bereits umfassend mit diesem Feature beschäftigt haben. Meine ersten Gedanken hierzu waren: „Sollte die Leiste nicht besser unterhalb der Tastatur sein?“ Wir alle mussten lange üben, um (mehr oder weniger) blind mit zehn Fingern schreiben zu können, und nun möchte Apple, dass unsere Augen wieder zur Tastatur wandern? Kann mich diese Touch Bar wirklich produktiver machen? Gemischte Gefühle. Als ich dann aber gesehen habe, wie Apple das neue Feature tatsächlich umgesetzt und in Betriebssystem und Applikationen integriert hat, war ich wirklich sehr begeistert. Der intuitive Umgang und die nahtlose Integration lassen erahnen, dass sich das Feature schnell beim User in den täglichen Umgang einschleicht. Dass andere Softwareanbieter wie z. B. Adobe und Microsoft die Touch Bar bereits in ihre Applikationen integrieren, war für mich die nächste Überraschung. Auch in den ersten Praxistests nach der Keynote waren die Stimmen dazu überaus positiv.

Es scheint eine neue Glaubensfrage zu werden, ob nun das Display oder eine Touch Bar das perfekte haptische Bedienelement darstellt. Ich persönlich bin auf Apples Seite. Permanent ausgestreckte Arme empfinde ich wenig „intuitiv“ und die Touch Bar als zusätzliches Display ermöglicht mir einen Schnellzugriff auf Funktionen, die ich vorher in Menüs oder Untermenüs suchen bzw. über Hotkeys erreichen musste. Für den Gebrauch im Alltag habe ich für mich persönlich bereits nach einer Minute mehr Sinnvolles in der Touch Bar gesehen, als mir ein Touchscreen am Notebook je bieten kann.

Die Qualität des Displays ist für mich eines der wichtigsten Entscheidungskriterien für ein Gerät. Wer privat viel mit Fotos und Videos macht und schon mal an einem Display mit hoher Auflösung und erweitertem Farbraum gearbeitet hat, der möchte nicht mehr zurück. Ich habe noch nie verstanden, warum man viel Geld in CPU, RAM, SSD etc. investiert, nur um dann beim Display Abstriche zu machen. Zum Glück hat man das Problem als Apple User nicht, denn Apple sieht das auch so und verbaut die besten Displays in seinen Produkten. Nun hat auch das neue MacBook Pro ein Retinadisplay, das den P3-Farbraum unterstützt. Das ist für mich ein sehr willkommenes Feature, ebenso wie die um 67 % gestiegene Helligkeit und das um 67 % höhere Kontrastverhältnis, welche vor allem im Outdooreinsatz bzw. unter schwierigen Lichtverhältnis ihr Potenzial ausspielen.

Leistung

Die wichtigste Anforderung eines „Pro-Users“ an ein Gerät ist die Performance. Audio, Video und Fotomaterial werden immer größer und erfordern seit jeher die beste Leistung, die man aktuell für Geld kaufen kann. Hier ist Intel aktuell leider noch nicht optimal aufgestellt, denn eine Quad-Core CPU auf Kaby-Lake-Basis ist derzeit noch nicht verfügbar. Dies hat zur Folge, dass in den neuen MacBook Pro noch CPUs der neuesten Skylake-Generation ihren Dienst verrichten. Wer Leistung alleine auf die CPU reduziert, springt allerdings zu kurz. Es kommt auf das Bedürfnis bzw. die Anforderung der Anwendung an. Schneller RAM, eine dedizierte Grafik mit bis zu 4 GB GDDR5-Speicher sowie eine SSD auf PCIe-Basis mit Lese- und Schreibraten jenseits der 2-Gbps-Marke bieten für die meisten Anwender ein hervorragendes Nutzererlebnis auch bei leistungsintensiven Anwendungen.

Keyboard und Touchpad

Das neue Keyboard und das größere Force Touch Trackpad sind für mich willkommene Features. Ich vermisse jedoch auch bei meinem aktuellen MacBook Pro Retina nichts. Sicher ist neu und mehr immer besser und ich wehre mich nicht dagegen, genauso wenig wie gegen bessere Lautsprecher. Ob diese Features mir noch mal ein deutlich besseres Nutzererlebnis bringen, wird sich erst in der Praxis zeigen.

Wegfallende Schnittstellen – diese Sau wird immer durchs Dorf getrieben. Beim neuen MacBook Pro leider auch teilweise zu Recht. Ich warte jetzt schon auf den Moment, an dem ich im Urlaub vergeblich meine SD-Karte ins neue MacBook schieben möchte. Alternativ würde ich dann wohl auf meinen SD-Kartenleser zurückgreifen, der sich im Notfallset für Hobbyfotografen befindet, nur um festzustellen, dass konventionelle USB-Schnittstellen mittlerweile ebenfalls nicht mehr erhältlich sind. Wenn ich dann am MacBook einen Videoclip anschauen möchte und die Lightning EarPods des neuen iPhone 7 (ohne Adapter) dabeihabe, habe ich wieder ein Problem. Maus und Tastatur am MacBook ohne Adapter aufladen – Fehlanzeige. An meine erste Präsentation beim Kunden will ich gar nicht erst denken – welchen Adapter werde ich wohl vor Ort benötigen?

Und MagSafe? Das war doch wirklich genial! Nicht nur wegen der Sicherheit, sondern auch weil es einfach bequem ist. Dass der Stecker wie von selbst in seinen Slot rutscht, hilft einem doch täglich. Oder fummeln Sie gerne ein Kabel irgendwo rein? Auf der anderen Seite bin ich ein Fan von Thunderbolt und auch davon, dass man in Version 3 den Stecker an USB C angepasst hat. Dass ich das Gerät nun aber an allen Ports laden kann, finde ich gut und auch, dass ich es ohne zusätzliches Stromkabel direkt vom (LG) Display aus betreiben kann. Nur habe ich kein (LG) Display …

Sie merken, an diesem Punkt bin auch ich etwas zwiegespalten. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, braucht man heutzutage viele Schnittstellen nicht mehr oder nur noch wirklich selten. Adapter habe ich auch heute schon dabei. Wenn man beim Kauf des neuen Geräts einmal seine Hausaufgaben macht und die nötigen Adapter mitbestellt, ist das Problem (teuer) behoben. „Shut up and take my money …“ Das ist einer der Punkte, den man aus meiner Sicht einfach ausblenden muss, wenn man Apple User ist und immer das neueste Gerät haben will. Man hat einfach keine andere Option, bekommt dafür aber im Gegenzug das beste Notebook, das es auf dem Markt gibt.

Durch das konsequente Reduzieren, das Apple bei allen Produkten in den Vordergrund stellt, sind wir beim letzten Punkt: Größe und Gewicht. Das Thema wurde im Apple Event nicht so richtig deutlich. Das neue MacBook Pro ist noch mal deutlich kleiner und leichter als sein Vorgänger und das ist für mich wirklich entscheidend. Kleiner und leichter ist einfach besser und in Spacegrau einfach todschick.

 

 

Fazit

„There’s something in the Air“
Ich kann mich noch gut an die Apple Keynote auf der Macworld 2008 in San Francisco erinnern. Damals präsentierte uns Steve Jobs das neue MacBook Air. Dieses war für mich damals ein wirklich revolutionärer Meilenstein im gesamten Notebookmarkt und Vorbild für eine ganze Kategorie sogenannter Ultrabooks. Verglichen mit den sonstigen Notebooks, die es auf dem Markt gab, war das MacBook Air eine ganz andere Liga. Die Kombination aus edlem Design mit praktischen Features wie z. B. 13,3-Zoll-Display oder Full Size Keyboard war konkurrenzlos. Das Faszinierende für mich aber war, wie unglaublich leicht, dünn und leise es war. Umso überraschender war es für mich, dass Apple beim Event Ende Oktober im Vorbeigehen ankündigte, dass das MacBook Air zukünftig überflüssig ist.

Das ist sehr schade, aber bei genauer Betrachtung nur konsequent. Als das MacBook Air vor acht Jahren präsentiert wurde, war es revolutionär, aber es war auch immer ein Kompromiss. Es war das optimale Notebook für den klassischen Büroeinsatz (Mail, Office, Internetrecherche etc.). Solide, aber nicht ausreichend leistungsfähig für User, die auf Leistung angewiesen sind. Wenn man nun die Daten wie Größe und Gewicht des neuen MacBook Pro und die des MacBook vergleicht wird schnell klar, warum das MacBook Air in Zukunft einen schweren Stand haben wird. Die Entscheidung zwischen Leistung, tollem Display und anderen Vorzügen vs. geringe Größe und Gewicht muss man in Zukunft nicht mehr treffen. Man bekommt das beste Notebook, das man für Geld kaufen kann – ohne Kompromisse.

Und das ist für mich das wirklich Revolutionäre am neuen MacBook Pro.

Stefan Schwarz
#Stefan Schwarz

Stefan Schwarz

Business Development Manager

Stefan Schwarz ist als Business Development Manager Apple bei ALSO für die Entwicklung des B2B und Education Geschäfts im Apple Markt verantwortlich. Neben den Apple Bereitstellungsprogrammen (DEP & VPP) und AppleCare ist er Ansprechpartner für die Apple Version der E-Commerce Lösung ALSO MyStore (–professionelle E-Commerce-Lösung für Apple Partner). Privat ist der 37-Jährige Familienvater passionierter Fotograf, überzeugter Apple User und leidenschaftlicher Basketball Spieler.

Ganzen Artikel lesen