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Titelbild: Wer sie trägt, der liebt sie
17.11.2015 - Michael Meinert

Wer sie trägt, der liebt sie

Ein Rückblick auf die ersten sechs Monate mit der Apple Watch

Manchmal muss man einen Schritt zurücktreten, um den größeren Zusammenhang zu erkennen. Gerade bei der Apple Watch lohnt sich ein Blick zurück in die jüngere Vergangenheit, genauer gesagt in den August 2011. Nachdem Tim Cook das Amt des CEO von Apple vom viel zu früh verstorbenen Steve Jobs übernommen hatte, dauerte es nicht lange, bis Börse und Öffentlichkeit ungeduldig wurden. Man mache sich Sorgen um das Innovationstempo bei den Produkten des Unternehmens, so war es damals in der Presse zu lesen.

Es werde gefragt, welche Produkte in Vorbereitung und ob diese richtig ausgewählt seien, wussten die gut informierten Reporter zu berichten. Zu diesem Zeitpunkt war es nur ein Gerücht, dass Apple an einer eigenen Smartwatch arbeite, denn bisher hatte Apple bei diesem Thema abgeblockt und keine weiteren Informationen veröffentlicht. Man wolle ein perfektes Produkt herausbringen und das brauche eben seine Zeit, so das Statement von Apple. Heute wissen wir, wie richtig diese Aussage war.

Als die Apple Watch am 9. März 2015 vorgestellt wurde, gab es viele begeisterte Reaktionen.

 

Apple Watch Series 2 In 3 Farben

 

Vor allem das überzeugende Design und die hochwertigen Materialien wurden hervorgehoben. Die Apple Watch ist ein wahrer Hingucker und bietet jedem modischen Geschmack genau das richtige Modell an. Durch die austauschbaren Armbänder lässt sich die Watch dem persönlichen Style und der jeweiligen Gelegenheit anpassen und macht damit sowohl im Geschäftsumfeld als auch im Privatleben eine super Figur. Gerade den modischen Aspekt spielt Apple perfekt aus und geht sinnvolle Partnerschaften ein. Einerseits wird die Watch mittlerweile in exklusiven Modegeschäften verkauft. Andererseits erscheinen nun erste Modelle in Kooperation mit Luxusherstellern wie beispielsweise Hermès. Beim Design, bei der Produktstrategie und der Platzierung der Watch hat Apple wirklich einen fantastischen Job gemacht.

Daher ist es mehr als schade, dass Apple bei der ersten Präsentation der Watch gerade bei der Software eher verhaltenes Feedback auslöste. Den eigenen Herzschlag übermitteln, selbst gezeichnete Scribbles an andere Watch-Nutzer schicken, animierte Emojis versenden, Anrufe über integrierte Mikros und Lautsprecher entgegennehmen … All das sorgte für etwas Ratlosigkeit bei Fans und Presse und überlagerte in der Berichterstattung die vielen Mehrwerte der Watch.

Auf einige Punkte hatte Apple schnell reagiert und beispielsweise den App-Entwicklern direkten Zugriff auf wichtige Funktionen der Uhr gewährt. Zudem wurde am 16. September 2015 das aktualisierte Betriebssystem Watch OS 2 veröffentlicht, welches ebenfalls neue Features bereitstellte.

„Die Apple Watch ist der perfekte Begleiter, sowohl privat als auch geschäftlich. Und ihr Funktionsumfang wächst stetig.“

Die Apple Watch hat damit eine deutliche Aufwertung erhalten und bietet daher mehr Nutzererlebnisse denn je. So wissen wir etwa, dass Benachrichtigungen diskret vom iPhone auf die Watch übermittelt werden. Eher unbekannt ist hingegen, dass man mit der Apple Watch sogar iMessages senden/empfangen oder Siri verwenden kann, ohne das dass iPhone eingeschaltet und/oder im selben WLAN sein muss. Hierzu genügt es, wenn sich die Apple Watch in einem WLAN befindet, in das sich das iPhone schon einmal eingewählt hat.

Eine weitere Neuerung betrifft die Komplikationen auf dem Ziffernblatt. Da ich kein Fachmann für Uhren bin, musste ich erst lernen, dass es sich bei Komplikationen nicht um Probleme handelt, sondern dass das Gegenteil der Fall ist. Der Fachausdruck beschreibt Zusatzfunktionen einer Uhr, die über die Anzeige der Zeit hinausgehen. Bei der Apple Watch wurden schon immer wichtige Informationen wie Termine oder Wettervorhersagen direkt neben dem Ziffernblatt angezeigt. Neu ist, dass jetzt auch Daten von App Store Apps als Komplikationen angezeigt werden können. Somit behalten Sie die Flugzeiten bei der Lufthansa im Blick oder checken Informationen zu Ihrem Smart Home.

Schon heute zeigt Ihnen die App „Karten“ den besten Weg von Ihrem aktuellen Standort zum Ziel. Die Turn-by-Turn-Navigation deutet Ihnen mit subtilen Tab-Vibrationen an, wann Sie links oder rechts abbiegen müssen, um an Ihr Ziel zu gelangen – der Blick aufs iPhone bleibt Ihnen und den anderen Passanten damit erspart. Auch hier legt Apple nach und wird Informationen zum öffentlichen Nahverkehr inklusive unterschiedlicher Transportarten in einer einzigen Route kombinieren. Bereits heute sieht man in vielen Städten in den USA und in China detaillierte Karten und genaue Zug-, U‑Bahn- und Busfahrpläne. Selbst der Fußweg zu den Haltestellen wird korrekt angezeigt, wenn man sich in einem Gebäude befindet. Dieser Service wird zukünftig auch in vielen weiteren Städten verfügbar sein.

Der Funktionsumfang der Apple Watch wächst also stetig. Sowohl Apple als auch innovative Entwickler arbeiten an der Umsetzung Ihrer Ideen auf ein 38 mm bzw. 42 mm großes Display. Zudem wird Apple konsequent die richtige Positionierung der Watch als Modegegenstand verfolgen und wir werden weitere optische Highlights sehen. Die Watch wird daher weiter an Attraktivität gewinnen, denn Software kann reifen.

 

Apple Watch Series 2 In 3 Farben 3er Collage

 

Leider gilt dies nicht für Hardware und an dieser Stelle kommen wir zurück zum Anfang des Artikels. Mit ein wenig mehr Zeit und Vertrauen durch die Aktionäre hätte Apple vermutlich Wege gefunden, die Akkulaufzeit zu erhöhen und damit die notwendigen Ressourcen für ein integriertes GPS-Modul zu schaffen. Die Watch wäre dann unabhängiger vom iPhone geworden und hätte gerade den Sportlern noch mehr Features geboten. Natürlich ist das eher als Schönheitsfehler zu werten und spricht in keiner Weise dagegen, sich schon heute mit der Apple Watch eine Freude zu machen und von den vielen Mehrwerten zu profitieren. Eine Lektion in Geduld ist es aber allemal.

Fazit

„Wer sie trägt, wird sie lieben“, so steht es auf der Website von Apple. Die Aussage stimmt absolut, denn die Vorzüge der Watch kommen erst dann richtig zur Geltung, wenn man sie ausprobiert. Die bereits heute erhältlichen Apps bieten echte Mehrwerte und machen mich unabhängiger von meinem iPhone. Zudem freut es mich, dass Entwickler genötigt werden, ihre Ideen auf ein kleines Display und damit auf das Wesentliche zu reduzieren. Ich bin überzeugt davon, dass die besten Apps erst noch kommen und die Watch zu einem digitalen Assistenten machen. Ob die Watch damit DAS Weihnachtsgeschenk wird, bleibt abzuwarten. Wer allerdings mit dem Gedanken spielt, sich zu Weihnachten ein Sportband zu schenken, sollte lieber ein paar Euro mehr investieren und sich eine Apple Watch gönnen. Im Bereich der Wearables gibt es nämlich momentan nichts Besseres.
Michael Meinert
#Michael Meinert

Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

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