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Titelbild: Die Zukunft des Fernsehens
17.11.2015 - Michael Meinert

Die Zukunft des Fernsehens

Apple präsentiert die nächste Generation des Apple TV

Ich möchte einen Fernseher bauen, der total einfach zu benutzen ist. Er wäre nahtlos mit allen anderen Geräten und mit der iCloud verbunden und hätte das einfachste User-Interface, das man sich vorstellen kann. Ich habe endlich die Lösung gefunden.“ Diese Sätze soll Apple Gründer Steve Jobs vor seinem Tod im Jahr 2011 zu seinem Biografen Walter Issacson gesagt haben.

Das neue Apple TV tritt noch im Herbst dieses Jahres an, um uns zu zeigen, wie diese Lösung aussieht. Tim Cook, Steve Jobs’ Nachfolger als CEO von Apple, hat die Vision des Konzerns aus Cupertino wie folgt zusammengefasst: Apps sind die Zukunft des Fernsehens – denn Apps sind einfach der beste Weg, sich etwas anzuschauen. Das Ergebnis dieser Vision ist tvOS, das neue Betriebssystem von Apple TV.

 

Apple TV Remote

 

In den letzten Jahren haben sich die Gewohnheiten der Fernsehzuschauer massiv geändert.

Statt des Hauptfilms um 20:15 Uhr auf ProSieben möchte man heute sehen, was man will, wann man will und wo man will. Diese Aussage wird untermauert vom Erfolg der Streaming-Anbieter wie Netflix oder Watchever und von der Tatsache, dass der Ausdruck „Binge Watching“ einen eigenen Eintrag auf Wikipedia erhalten hat. Zudem ist es für uns heute normal, das iPad als mobilen Fernseher oder zumindest als Second Screen zu nutzen. Die Zeit ist also reif für eine weitere Evolution unseres Fernsehverhaltens. App-Entwickler erhalten Zugriff auf tvOS und können ihre Ideen in neuen, innovativen Anwendungen Ausdruck verleihen. Warum nicht den Live-Stream des Senders mit der Mediathek und sinnvollen Zusatzinformationen verknüpfen? So hat man den Chat zum Tatort oder zum Fußballspiel jederzeit im Blick und greift nur dann zum iPhone, wenn man wirklich einen Kommentar posten will.

Damit die Steuerung des Apple TV typisch einfach bleibt, gibt es zwei Bedienelemente: Touch Navigation als Fernbedienung und die eigene Stimme: Siri Remote, so heißt die schnellste Art, etwas zu fragen oder auszuführen. Die bekannteste digitale Assistentin der Welt hört nun auch beim Fernsehschauen aufs Wort und hilft in (fast) allen Lebenslagen weiter. Dank zweier Mikrofone in der Touch-Navigation versteht Siri den Zuschauer auch dann, wenn es im Hintergrund etwas lauter ist.

Der Clou ist jedoch die Art und Weise, wie man mit Siri kommuniziert. Einerseits soll dort die Umgangssprache erstaunlich gut funktionieren, sodass Aussagen wie „Wie stehts beim Bayern-Spiel?“ oder „Spule fünf Minuten zurück“ sofort richtig ausgeführt werden sollen. Zudem hilft Siri beim Suchen von Filmen oder Serien – und das nicht nur bei iTunes, sondern auch bei populären Anwendungen wie Netflix. Siri kombiniert dabei die Anfragen, sodass die Auswahl aus „Actionfilmen“, „guten Actionfilmen“ und „aus den 80ern“ unweigerlich zu Arnold Schwarzenegger oder Chuck Norris führen wird.

Das neue Apple TV öffnet zudem eine komplett neue Anwendungsebene. Der von Apple entwickelte A8-Chip mit 64-Bit-Architektur liegt auf dem Leistungsniveau der letzten Konsolengeneration und damit ungefähr auf einer Ebene mit der X-Box 360 oder der PS3. Mit den Next-Generation-Konsolen kann das Apple TV zwar nicht mithalten und daher bleiben ihm die neuesten Grafikwunder auch verwehrt. In diese Domäne möchte Apple aber auch nicht vordringen.

„Fernsehen, wann wir wollen und wie wir wollen – mit Apple TV ist das selbstverständlich.“

 

Würde sich ein gutes Spiel ausschließlich durch realistische Grafik definieren, wären die Hitlisten der App-Stores nicht voll von innovativen Spielen wie beispielsweise Crossy Road. Die hübsche Retrografik veredelt hier ein fesselndes Spielprinzip, welches auf dem Apple TV nun zum ersten Mal auch einen Mehrspielermodus erhält. Viele bekannte Spielentwickler haben bereits angekündigt, das Apple TV zu unterstützen.

Sowohl Gelegenheitsspieler als auch Hardcorezocker werden sich über ein weiteres Feature des Apple TV freuen: Die Spielstände werden automatisch synchronisiert. War man im Zug noch kurz davor, den Highscore zu knacken, kann man dieses Spiel nahtlos zu Hause auf dem großen Fernseher fortsetzen. Findige Spielentwickler werden dieses Feature sicher einsetzen, um uns mit neuen, innovativen Ideen zu überraschen. Schließlich wird sich deren Zielgruppe mit dem Apple TV schlagartig nochmals deutlich erweitern.

Fazit

Ist das Apple TV nun der große Wurf, den Steve Jobs vor Jahren versprochen hat? Vermutlich nicht. Aber es ist eine konsequente Weiterentwicklung des Fernsehers vom linearen zu einem flexiblen Medium, das uns Zuschauern die größtmögliche Freiheit bietet. Die Softwareentwickler werden tvOS nutzen, um innovative Anwendungen zu liefern, welche die hohe Rechenkapazität des Apple TV nutzen werden – egal, ob es sich dabei um Apps oder Spiele handelt. In kurzer Zeit werden wir damit auf dem heimischen Fernseher Dinge sehen und erleben können, die wir noch vor wenigen Jahren in Science-Fiction-Filmen bestaunt haben. Das Apple TV unter dem Weihnachtsbaum ist damit nicht die schlechteste Idee.
Michael Meinert
#Michael Meinert

Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

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