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Titelbild: Die neue Dimension des mobilen Arbeitens
17.11.2015 - Michael Meinert

Die neue Dimension des mobilen Arbeitens

Das neue iPad Pro im Business-Umfeld

Eine Keynote von Apple ist eigentlich immer ein Happening. Tausende Menschen sitzen abends gegen 19 Uhr vor ihrem Fernseher, iPad oder MacBook und verfolgen per Live-Stream aus San Francisco, wie Apple die neuesten Produkte und Innovationen enthüllt. Moment! Innovationen? Wer die Foren und Kommentare in den einschlägigen Tech-Seiten kurz nach der Keynote vom 9.9.2015 verfolgte, bekam schnell folgenden Eindruck: Einerseits hat Apple beim iPad Pro das (Verzeihung) „bahnbrechende“ Design von Microsofts Surface kopiert und andererseits rüttelt Apple am Vermächtnis von Steve Jobs, indem man einen (nochmals Verzeihung) „Stylus“ als Bedienelement für ein iPad präsentiert. Der Untergang von Apple scheint also, mal wieder, nur noch ein Quartal entfernt zu sein.

„Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen.“

Dieses Zitat stammt nicht von Steve Jobs (obwohl er es gerne verwendet hat), sondern von Pablo Picasso. Diese Aussage stimmt, denn wir Konsumenten interessieren uns nicht dafür, wer ein Produkt ursprünglich erfunden hat. Wäre dem so, würde man sich nicht an Graham Bell, sondern an Johann Philipp Reis als den Erfinder des Telefons erinnern. Der Unterschied ist, dass Graham Bell als Erster ein Produkt auf den Markt gebracht hat, welches dem Konsumenten einen wirklichen Mehrwert vorweisen konnte. Es geht nicht darum, wer etwas zuerst gemacht hat, sondern darum, wer es am besten macht.

Daher war das iPad Pro mein persönliches Highlight. Dieses iPad ist dafür gemacht, um darauf zu arbeiten – es richtet sich an Professionals. Natürlich kann man Filme auf dem brillanten Display genießen, natürlich bieten die vier Lautsprecher dabei eine fantastische Klangkulisse, selbstredend kann man darauf alles machen, was man vom iPad Air 2 bereits gewohnt ist – aber einen richtigen Mehrwert für den Couchsurfer zu Hause kann ich hier noch nicht erkennen. Stattdessen sehe ich nun zum ersten Mal die viel beschworene Post-PC-Area am Horizont aufgehen.

„Dieses iPad ist dafür gemacht, um darauf zu arbeiten – es richtet sich an Professionals.“

 

Mit dem iPad Air hatte Apple erstmals auch den Anwender im Büro adressiert und mit iOS 7 und iOS 8 die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaffen. Doch selbst wenn Tim Cook proklamiert, dass er heute 80 % seiner Arbeit auf dem iPad erledigt, so sehe ich darin einen absoluten Ausnahmefall. Eine B2B-App schafft dann eine Lösung für Anforderungen in Unternehmen, wenn sie im Hintergrund Zugriff auf Datensysteme hat. Unabhängig von allen Fragen zum Datenschutz, die mit Cloud-Lösungen oder Big Data einhergehen, geht es hier in erster Linie um notwendige Investitionen. Gerade die bereits eingesessenen Unternehmen mit mehr oder weniger gut funktionierender IT-Landschaft tun sich nach neuesten Studien schwer damit, in zukunftsfähige IT-Systeme zu investieren. Die langfristige B2B-Strategie von Apple ist meines Erachtens dennoch weiterhin richtig. Bis ich meinen Arbeitsalltag zu 80 % auf einem iPad abbilden kann, werden jedoch (leider) noch einige Jahre ins Land ziehen.

„Schneller als 80 % der portablen PCs“ – dieses Schlagwort wurde in großen Buchstaben auf die Bühne des Bill Graham Civic Auditoriums in San Francisco projiziert. Welche Berechnung sich genau hinter dieser Aussage verbirgt, darüber schweigt Apple sich aus. Klar ist jedoch, dass der Prozessor A9X als Motor im iPad Pro noch mal 1,8-fach schneller als der bisherige Spitzenreiter iPad Air 2 ist. Hinzu kommen ein neu entwickelter Grafikprozessor und ein auf Leistung optimierter Speicherkontroller. Damit öffnet sich eine komplett neue Arbeitswelt auf dem iPad. Populäre Anwendungen wie 4K-Videoschnitt (Apple iMovie), Fotobearbeitung (Adobe Photoshop Fix) oder 3-D-Modellierung (AutoCAD 360) funktionieren auf einem iPad Pro mindestens genauso gut wie auf einem Desktop-PC oder Notebook.

„Mit größerem Multi-Touch-Display, Pencil und noch mehr Leistung eröffnet sich eine komplett neue Arbeitswelt auf dem iPad.“

 

So überrascht es auch nicht, dass Microsoft als erster Hersteller auf die Bühne einer Apple Keynote gebeten wurde, um sein neues Office 2016 zu präsentieren. Der Hersteller sprach dabei nicht über die Anleihen am Surface, welche sich im iPad Pro wiederfinden, sondern über den Produktivitätsgewinn beim Einsatz von Office 2016 auf dem iPad Pro. Bei der gleichzeitigen Nutzung von Word und Excel im Split-Screen, der Steuerung über Gesten per Apple Pencil und Kurzbefehlen per Fingertipp entsteht unweigerlich ein neues, direktes Arbeitsgefühl. Auch andere Hersteller wie beispielsweise Adobe stellten ihre für das iPad Pro optimierten Apps vor und demonstrierten eindrucksvoll, dass sie sich nicht scheuen, bestehende Arbeitsabläufe zu durchbrechen, um das mobile Arbeiten schneller und einfacher zu machen. Wieder einmal zeigt sich hier der Vorteil, wenn Software und Hardware in einem geschlossenen System füreinander entwickelt werden: Sie ergänzen sich gegenseitig.

Eine haptische Tastatur wurde immer wieder gefordert und ist auch notwendig, wenn man den Bildschirm komplett nutzen möchte. Das Smart Keyboard liefert diese Lösung und ergänzt sie um den Smart Connector, der Stecker, Kabel oder Bluetooth-Koppelung unnötig macht. Der Apple Pencil ist hingegen das perfekte Eingabegerät für alle, die am iPad schreiben, malen, designen wollen. Mit einem Stylus hat das ungefähr so viel zu tun, wie Ihr aktuelles Smartphone mit einem alten Klapphandy zu tun hat. Zudem reagiert das Display gewohnt perfekt auf Eingaben per Touch und trennt sauber zwischen der Nutzung des Apple Pencils und einer versehentlich aufgelegten Handfläche. In der Kombination erfüllen diese Eingabegeräte nun mehr denn je die Anforderungen von mobilen Arbeitern.

Mit seinem deutlich größeren Multi-Touch-Display, der im Vergleich zum iPad Air 2 nahezu doppelten Grafikleistung und den auf das mobile Arbeiten zugeschnittenen Apps ermöglicht uns das iPad Pro mehr denn je, kreativ und produktiv arbeiten zu können. Können wir nun alle unsere Desktop-PCs und Notebooks in der Arbeit entsorgen? Das geht leider noch nicht. Aber wir gehen einen weiteren Schritt in die richtige Richtung – und das ist gut so!

 

Michael Meinert
#Michael Meinert

Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

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