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Titelbild: Voller Mut und Visionen
07.05.2015 - Michael Meinert

Voller Mut und Visionen

Als ich das neue MacBook zum ersten Mal gesehen habe, musste ich spontan an eine Aussage von Steve Jobs denken. Welche das ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wer den Markt der Desktops und Notebooks in den letzten Jahren verfolgt hat, erkennt den Abwärtstrend, welcher mal mehr, mal weniger deutlich ausfällt. Auch für das Q1/2015 vermeldete Gartner erneut einen Rückgang der Gesamtverkäufe in allen Märkten. Ein globaler Aufwärtstrend ist weiterhin nicht in Sicht – auch die Ablöse der Windows XP-Rechner in 2014 erwies sich leider nur als kurzes Strohfeuer.

Wenige der großen PC-Hersteller dürfen sich über Wachstumszahlen in diesem Markt freuen – und wir als ALSO freuen uns natürlich mit Ihnen, denn es ist uns ein Privileg, dass wir mit den größten und wichtigsten Herstellern zusammenarbeiten dürfen. Naturgemäß freue ich mich am meisten darüber, dass Apple seit vielen Quartalen beständig gegen den Strom schwimmt und auch im Q1/2015 wieder um knapp 9 % zum Vorjahr gewachsen ist.

„An den ersten iMac erinnern Sie sich, das Diskettenlaufwerk hatten sie vergessen.“

 

Warum ist Apple erfolgreicher als andere? Was macht Apple anders?

Wer nun ein Plädoyer über Qualität, Symbiose von Hard- und Software oder die kinderleichte Bedienung erwartet, hat zwar Recht – mir geht es jedoch in erster Linie um Mut. Den Mut, den Apple immer wieder mit Entscheidungen beweist, welche auf den ersten Blick zunächst einschränkend wirken. Im Rückblick werden diese Entscheidungen immer wieder mit einem bestimmten Adjektiv verbunden: visionär.

Erinnern Sie sich noch an die Einführung des ersten iMac im Jahr 1998?

Das markante, halb durchsichtige bonbonfarbige Gehäuse enthielt viele technische Neuerungen, darunter die damals noch wenig verbreitete USB-Schnittstelle. Doch eins fehlte: das 3,5″-Diskettenlaufwerk. Wer jetzt gerade googelt, was ein Diskettenlaufwerk ist: Ja, das war irgendwann in grauer IT-Vorzeit tatsächlich einmal State of the Art. Apple sah das anders und hat etwas verändert.

Dieses Muster wiederholte sich im Laufe der Jahre immer wieder. 2012 wurde die siebte Inkarnation des iMac vorgestellt und das – Revolution – ohne CD-Laufwerk. Braucht man heute nicht mehr – dafür gibt es das Internet und den App Store, beschloss Apple. Und behielt Recht. Aus VGA- und DVI-Schnittstellen für Monitore wurden flache Thunderbolt-Stecker und sorgten dafür, dass die Macs immer schlanker gebaut werden konnten. Der nun benötigte Adapter hingegen verbrauchte im Reisegepäck nur wenig Platz. Auch bei den mobilen Geräten gab es Neuerungen: Weder iPhone noch iPad können Flash-Inhalte anzeigen (die Welt drehte sich weiter) oder Daten von USB-Sticks kopieren (die man seit Dropbox & Co. auch nur noch selten nutzt).

Die Reaktion auf alle diese Neuerungen war immer identisch:Ein Aufschrei ging durch das Land, wie könne man nur, das gehe doch nicht. Doch, geht!

Tatsächlich kann man rückblickend feststellen, dass Apple den Mut hatte, die alten Zöpfe abzuschneiden. Hier kommt dann auch der anfangs angedeutete Ausspruch von Steve Jobs ins Spiel, welches natürlich in Wirklichkeit ein Zitat von Henry Ford ist: „Wenn ich meine Kunden gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie mir geantwortet: Ein schnelleres Pferd.“ All diese Zusammenhänge sind mir unwillkürlich durch den Kopf gegangen, als ich zum ersten Mal das neue MacBook gesehen habe. Es ist leicht, es ist dünn, es ist flüsterleise, hat eine fantastische Tastatur und das fortschrittlichste Trackpad der Welt – und es ist wirklich wunderschön. Dennoch: Erinnern Sie sich, was wir am nächsten Tag stattdessen in den Medien gelesen haben: Nur ein USB-C Port? Ich muss einen Adapter kaufen, um gleichzeitig ein VGA- und ein USB-Kabel anzuschließen? Warum macht Apple das?

Wir streamen heute Musik, Videos und Fotos, und das, wann und wo wir wollen. Entweder im heimischen WLAN oder über die LTE-Flatrate unseres iPhone-Hotspots. Die Inhalte liegen dabei platzsparend auf dem heimischen NAS oder einer öffentlichen Cloud, je nach Anbieter oder dem persönlichen Sicherheitsempfinden des Anwenders. Es fühlt sich für viele von uns heute bereits normaler an, als im Retail-Store um die Ecke eine Musik-CD oder eine DVD zu kaufen. Die Welt wird kabellos.

Was für den privaten Anwender schon lange Sinn macht, ist im Büroalltag noch nicht überall angekommen. Hier startet das Meeting erst, wenn das (viel zu kurze) VGA-Kabel an den auf dem Tisch stehenden Beamer angeschlossen wurde und das bullige Netzteil die Steckdose gefunden hat („mein Akku steht schon bei 30 % – der hält nur noch eine Stunde“). Dass das auch anders, einfacher und filigraner geht, beweist einmal mehr Apple. Stellen Sie sich vor, Sie besuchen einen neuen Kunden und freuen sich darauf, mit Ihrer Präsentation zu starten. Sie verbinden Ihr MacBook mit dem AppleTV des Kunden (und müssen dazu noch nicht einmal im gleichen WLAN sein) und streamen Ihre Präsentation sofort auf den Großbildschirm oder an den geräuscharm unter der Decke verbauten Beamer. Wer einmal erlebt hat, wie einfach und zielgerichtet man ein Meeting in dieser Form startet, möchte es nicht mehr missen. Die Technik steht nicht mehr im Vordergrund, sondern ein intelligentes Design macht sie unsichtbar und erlaubt den Fokus auf das Wesentliche.

Zugegeben: Nicht in jedem Meeting-Raum hängt heute ein AppleTV (was ich als Kaufmann wirklich sehr schade finde) und nicht überall gibt es freies WLAN oder schnelles LTE. Der Punkt ist: das gibt es noch nicht. Irgendwann Ende der 90er waren Büroschränke noch voller 3,5″-Disketten und 2012 konnte sich auch noch nicht jeder Anwender mit dem Gedanken anfreunden, Software ausschließlich im Netz zu kaufen und auch dort herunterzuladen. Heute schmunzeln hingegen wir bei dem Gedanken an die doch arg rückständige Technologie der Vergangenheit. Aus genau diesem Grund freue ich mich schon heute auf den Tag, an dem ich zum letzten Mal mein MacBook per Kabel mit einem Beamer verbinden muss.

Es beeindruckt mich, dass Apple weiterhin mutig genug ist, alte Zöpfe abzuschneiden und von sich selbst und allen Anwendern einen Schritt in eine neue Richtung zu fordern. Vermutlich liegt es auch daran, dass Apple weiterhin erfolgreicher ist als andere.

Michael Meinert
#Michael Meinert

Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

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