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Titelbild: Smarter Begleiter für Gesundheit und Fitness
25.11.2014 - Michael Meinert

Smarter Begleiter für Gesundheit und Fitness

Am 9. September gegen 20 Uhr deutscher Zeit präsentierte Tim Cook die revolutionäre Apple Watch

Überlebensgroß wurden diese Worte über die Bühne des Flint Centers in Cupertino projiziert. One more thing – wie lange mussten wir darauf warten? Wir erinnern uns: Zuletzt sprach Steve Jobs diese magischen Worte am 27. Januar 2010, als das iPad vorgestellt wurde. An genau diesen Moment, beziehungsweise an das Echo der Presse nach der Vorstellung, musste ich in den letzten Wochen öfter denken. Doch dazu später mehr.

Vorab möchte ich jedoch auf die Uhr selbst eingehen, Apples bisher persönlichstes Produkt.

Vermutlich kennen Sie den kleinen Film, mit dem uns die Apple Watch vorgestellt wurde. Vielleicht haben Sie sich auch bereits die Kollektion der Uhren auf der Webseite angeschaut und sich sogar schon mit dem Gedanken befasst, welche Apple Watch die richtige für Sie sein könnte. Ihnen ist dabei bestimmt aufgefallen, wie Apple die neue Webseite aufgebaut hat: Zunächst wird über das Design der Uhren gesprochen, über die verschiedenen Modelle und über ihren Mehrwert für den Nutzer – erst danach informiert Apple über Features und Technologien. Dieser markante Unterschied in der Herangehensweise hebt Apples Konzept von allen anderen bisherigen Anläufen im entstehenden Markt der Smartwatches ab. Es geht nicht primär darum, Funktionen vom Smartphone auf eine elektronische Uhr auszulagern – es geht darum, die IT-Generation wieder für Uhren zu begeistern, denn: Wie viele junge Uhrenträger kennen Sie? Genau das hat man auch in Cupertino erkannt und daher sieht die Apple Watch schon auf den ersten Blick wie eine stylische Uhr aus, eben ein kleines Statussymbol für das digitale Zeitalter.

Das Design und die Funktionalität stehen klar im Vordergrund und das äußert sich vor allem in der digitalen Krone. Die Art, wie ein Bestandteil einer klassischen Uhr, den jeder von uns kennt, von Apple in die digitale Welt überführt wird, ist gleichermaßen schlau, innovativ und zwingend logisch. Das ist mal wieder einer dieser typischen Apple-Momente, in dem sich viele Menschen fragen: „Warum ist da vorher noch keiner drauf gekommen“.

 

Skizzen Entwicklung Apple Watch

 

Genauso gut finde ich übrigens die Idee, dass die Apple Watch seinen Träger antippt und so die Bindung zwischen Uhrenträger und Uhr verstärkt. Durch unterschiedlich starkes, spürbares Feedback wird damit aus digitalen Daten etwas Erlebbares. Zuletzt haben es mir die umfangreichen Varianten angetan. In wenigen Sekunden kann ich den Look meiner Apple Watch ändern, indem ich vom klassischen Lederarmband auf das feine Milanaise-Armband umsteige und das elektronische Ziffernblatt wechsle. Die Kombinationsmöglichkeiten sind nahezu grenzenlos.

Wenn man einen breit grinsenden Tim Cook auf der Bühne sieht, während das Publikum begeistert von den Sitzen springt, dann fragt man sich automatisch, welche Anstrengungen für diesen Erfolg nötig waren. Auch bei Apple gilt: Herausragende Produkte benötigen im Vorfeld nicht nur gute strategische Entscheidungen, sondern auch herausragende Persönlichkeiten. Hier ist einerseits der in den USA sehr bekannte Fitness-Experte Jay Blahnik zu nennen, der gemeinsam mit zwei weiteren Entwicklern des FuelBands von Nike zu Apple gewechselt ist. Oder Angela Ahrendts, die jetzige Senior Vice President Retail und Online Stores. Bevor sie die weltweite Verantwortung für Apples Direktgeschäft übernahm, war sie von 2006 bis 2014 CEO des bekannten Modeunternehmens Burberry – und führte das Label dabei mit ihrer Strategie „Konzentration aufs Wesentliche“ wieder zurück auf die Erfolgsspur.

Bei der Strategie hat Apple meines Erachtens ebenfalls die richtigen Entscheidungen getroffen. Neben der bereits angesprochenen, aus der Mode bekannten Einteilung in optische Vorlieben ist der Nutzen der Apple Watch klar umrissen: Ein persönlicher digitaler Begleiter, welcher Funktionen des Smartphones intelligent miniaturisiert und dadurch aufs Wesentliche zusammenfasst. Muss ich den kompletten Stadtplan von Cupertino auf meiner Smartwatch sehen? Sicher nicht. Macht es Sinn, dass mich die Apple Watch durch eine leichte Berührung auf der Haut darauf aufmerksam macht, dass ich nun links abbiegen muss, wenn ich zu meinem Navigationsziel will? Auf alle Fälle! Einen weiteren Mehrwert beschreibt Apple treffend als „smarter Begleiter für Gesundheit und Fitness“. Alle Büroangestellten, die sich während des Neujahrsfeuerwerks schwören, dass sie ab jetzt in Zukunft aber mal so richtig Sport treiben werden, erhalten mit der Apple Watch eine dauerhafte Motivation. In Kombination mit Apples Health Kit und einer einfachen, aber auch bestechend ehrlichen Anzeige der verbrauchten Kalorien des Tages befindet sich das schlechte Gewissen nun am eigenen Handgelenk … und ist damit deutlich schlechter auszublenden.

Habe ich etwas vergessen?

Ja, die Zeit. Die kann Apple Watch natürlich auch anzeigen. Sie weicht übrigens nie mehr als 50 Millisekunden von der offiziellen Weltzeit ab – Träger der Apple Watch haben demnach keine Ausrede mehr, wenn sie verspätet zu Meetings oder wichtigen Terminen auftauchen.

Natürlich möchte ich auch die kritischen Themen nicht aussparen, die am Tag nach der Keynote zu lesen waren. Dass der Akku nur für einen Tag reiche und man die Apple Watch nachts zwingend aufladen müsse, wurde schnell als Achillesferse definiert. Eine Situation also, die ein intensiver Nutzer des iPhones auch heute bereits kennt und klaglos akzeptiert, wenn die Alternative ein Smartphone ohne App-Ökosysteme in der Größe eines Personalausweises ist. Doch der hauptsächliche Kritikpunkt ist ein anderer: Wer die Apple Watch denn wirklich brauche, wurde dort gefragt. Eine fantastische Frage, wie ich finde – erinnert sie mich doch an den breiten Tenor der Presse nach der Vorstellung des ersten iPads. Ein großes iPhone, auf dem die gleichen Apps laufen? Wer braucht das denn wirklich? Heute wissen wir: Nach der anfänglichen Skepsis waren es vor allem die einzigartigen Apps von kreativen Programmierern rund um den Globus, die dem iPad (und damit allen Tablets) einen bis dato ungeahnten Siegeszug ermöglicht haben.

Wenn Presse und Blogs nun also monieren, dass es sinnvollere Arten der Kommunikation gibt, als Kurznachrichten mit animierten Smileys oder digitaler Höhlenmalerei zu beantworten, dass ein Telefonat mit einer Uhr nur bei Knight Rider gut aussieht oder dass das Teilen eines Herzschlags maximal einmal interessant ist, dann ist das zugegebenermaßen nicht komplett von der Hand zu weisen. Aber diese Kritikpunkte greifen zu kurz, denn schon heute arbeiten kreative App-Entwickler daran, aus ihren Ideen neue Anwendungsgebiete für die Apple Watch zu kreieren. Höchstwahrscheinlich blicken wir im Februar 2015 auf unser Handgelenk und denken uns: „Warum ist da vorher noch keiner drauf gekommen.“

 

Michael Meinert
#Michael Meinert

Michael Meinert

Leiter Business Unit Apple

Michael Meinert ist bei ALSO verantwortlich für die Business Unit Apple und beschäftigt sich damit privat wie beruflich mit seinem Lieblingshersteller. In einem überwiegenden Großteil der Zeit macht ihm das auch Spaß. Sein berufliches Projekt für 2018 heißt „New Work“ und hat als Ziel, die starre Arbeit am Firmen-Desktop durch mobile und flexible Workflows am iPad Pro zu ersetzen. Privat wird der Schwerpunkt auf der Fotografie mit seinem neuen iPhone X und der Adobe Creative Cloud liegen. Übung macht (hoffentlich) den Meister.

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